Endgültige Lösung für HBCD?

Sofern eine innerdeutsche Einigung erzielt werden kann, ist es möglich, dass noch im Sommer dieses Jahres eine neue bundesweite Verordnung in Kraft tritt, die die Entsorgungspraxis für HBCD-haltige Dämmstoffe regelt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und das Bundeskabinett haben bereits einen Entwurf beschlossen, der die auf ein Jahr befristete Übergangslösung ersetzen soll, die seit dem vergangenen Herbst galt. Vorausgesetzt, dass Styropor-Dämmstoffe, die das Flammschutzmittel HBCD enthalten, getrennt gesammelt werden, können diese künftig wieder in allen Verbrennungsanlagen entsorgt werden. Hendricks möchte damit eine genaue Erfassung über die Menge der Stoffe, die in die Entsorgung wandern, erreichen. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) begrüßt die vom Bundeskabinett beschlossene POP-Abfall-Überwachungs-Verordnung zu HBCD-haltigen Abfällen. ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa erklärt: «Damit ist eine einheitliche und praktikable Regelung für die Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffen sicher gestellt.»

Beitrag_lichtkunst73pixelio
Nun scheint eine endgültige Lösung für die Verwertung von HBCD-haltigen Abfällen gefunden zu sein. Foto: lichtkunst.73 / pixelio.de

Ende 2016 wurden HBCD-haltige Dämmplatten erst als gefährlicher Abfall eingestuft. In Reaktion auf das Engagement der ZDB für die Rücknahme dieser Einstufung, wurde zunächst eine Übergangslösung mit der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) („Moratorium“) gefunden. Mit der nun verabschiedeten POP-Abfall-Überwachungs-Versorgung ist eine dauerhafte Entsorgungslösung sicher gestellt. Das im Rahmen der Verordnung vorgesehene Sammelentsorgungsnachweisverfahren können Betriebe, die HBCD-haltige Dämmstoffe zurückbauen, mit Hilfe eines Übernahmescheins vom Entsorger führen. Damit hält sich für die Betriebe des Bau- und Ausbaugewerbes der bürokratische Aufwand in Grenzen.

Allerdings führt die geforderte getrennte Sammlung der HBCD-haltigen Dämmplatten zu höheren Kosten für Investoren und Verbraucher. «Hier stellt sich die Frage nach dem Mehrwert der künftigen Regelung. Immerhin wurden jahrzehntelang HBDC-haltige Abfälle ohne getrennte Sammlung umweltgerecht in Hausmüllverbrennungsanlagen entsorgt.», kritisiert Pakleppa. Vor Inkrafttreten der Verordnung zur Überwachung von POP-Abfall bedarf es noch der Zustimmung des Bundesrates.

Ende März hatten sich mehrere Verbände aus Handwerk, Fachhandel, Entsorgungs- und Kunststoffbranche zusammengeschlossen und die Aktionsgemeinschaft AG EHDA gegründet. Zu den Hauptaspekten ihres Engagements gehörten die sichere Verwertung des Flammschutzmittels HBCD aus dem Stoffkreislauf und die Vermeidung weiterer Imageschäden für das Thema Dämmung, den Klimaschutz und die Branche insgesamt. Über die Gründung hatten wir bereits hier berichtet. Weitere Informationen finden Sie auf der eigens eingerichteten Webseite der Gemeinschaft.