Einsatz von oben

Die ferngesteuerten Flugroboter werden immer häufiger eingesetzt – privat wie beruflich. Professionell hauptsächlich zur Dokumentation, für Foto- und Videoaufnahmen in allen möglichen Bereichen. Doch es gibt viele Ideen für anderweitige Nutzungen. Wir informieren über den Status quo und zeigen in den Mappe-Chancen bereits vorhandene und mögliche Einsatzgebiete im (Maler-) Handwerk auf.

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Ferngesteuerte Flugroboter werden immer häufiger eingesetzt. Wie kann das (Maler-)Handwerk die Technik sinnvoll einsetzen?

Der Motor wird lauter, die Rotoren drehen schneller und schneller, bis der Mini-Helikopter schließlich abhebt und nach einem kurzen Schwenk senkrecht in die Höhe steigt. Immer mehr unbemannte Luftfahrzeuge, die im Fachjargon oft als UAV (Unmanned Areal Vehicle) bezeichnet werden, steigen in die Lüfte. Es sind nicht nur Hobby- oder Fun-Drohnen oder militärische UAV: Die Einsatzmöglichkeiten im professionellen zivilen Bereich werden immer größer. 2016 waren in Deutschland rund 400.000 Drohen zugelassen. In diesem Jahr werden laut dem Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS) Klaus-Dieter Scheurle voraussichtlich weitere 600.000 UAV dazukommen, meldet spiegel.de. Die DFS rechnet bis 2020 mit einem Anstieg auf 1,2 Millionen Drohen, berichtet die BG Verkehr.

Ihre Abmessungen reichen zumeist von wenigen Zentimetern bei der Mikrodrohne bis zur Größe eines Verkehrsflugzeugs mit ca. 60 Meter Spannweite. Unter dem Begriff Multicopter zusammengefasst gibt es hauptsächlich die Bauformen Copter, Hexacopter mit sechs Rotoren und Octocopter mit acht Flügeln. Drohnen, die mit einer Videokamera oder Fotokamera ausgestattet sind, werden oft als »Fotodrohne« oder »Videodrohne« bezeichnet. Viele der heute erhältlichen Drohnen können über unterschiedliche Methoden gesteuert werden. Die meisten werden per Funkfernsteuerung gelenkt, wobei auch bereits viele der Geräte über den Computer oder das Smartphone gesteuert werden können. Viele Modelle besitzen auch bereits GPS-Module, worüber sich der Copter orientieren kann.

Pilotprojekt in der Schweiz

Im März 2017 startete die Schweizerische Post mit dem Drohnenhersteller Matternet ein Pilotprojekt, bei dem die Krankenhäuser des Kantons Tessin Laborproben und Medikamente per Drohne versenden. Zum ersten Mal erhielt ein Drohnenhersteller die Genehmigung des Bundesamts für Zivilluftfahrt, Drohnen über dicht besiedeltes Gebiet fliegen zu lassen, meldet t-online. »Die Matternet-Drohnen fliegen mit bis zu zwei Kilogramm zwischen ihren Start- und Landestationen hin und her. In den Stationen wird auch die Batterie automatisch gewechselt, die maximale Reichweite einer Drohne beträgt je nach Wetter bis zu 20 Kilometer bei Fluggeschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometer pro Stunde«, so der Internetdienstleister. Auf der Plattform www.drohnen.de sind jede Menge bereits vorhandener
Einsatzmöglichkeiten und Ideen für Multicopter zu finden.

Dachdecker sind die Pioniere

Dachdecker machen es dem Handwerk vor. Sie haben bislang am häufigsten Drohen im professionellen Einsatz. Mit den Flugrobotern können sie Dächer gefahrlos vom Boden aus inspizieren. Man erreicht Stellen, die sonst nur aufwändig und teuer mit Gerüsten, Hebebühnen oder Hubsteigern begutachtet werden könnten. Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte und so mancher Bauherr lässt sich damit leichter dazu bewegen, fachlich notwendige Arbeiten durchführen zu lassen. Nicht nur für Dokumentationszwecke eignen sich Drohnen, auch in der Kundenberatung bei anstehenden Sanierungen sind Luftaufnahmen wertvoll. Selbst nach Abschluss der Sanierungsarbeiten sind Drohnen noch gefragt, oft fliegen sie zu Zwecken des Monitorings, also der regelmäßigen Untersuchung auf Schäden regelmäßig über die Objekte. Viele Dachdecker bieten inzwischen »Dachwartungen« mit den Fliegern an, beispielsweise für große Wohneinheiten und Industriedächer.

Das Handwerk im Zeitalter der Digitalisierung

Prinzipiell ist das Interesse des deutschen Handwerks an digitalen Technologien groß. Das hat eine neue Studie des Digitalverbands Bitkom und ZDH zur  Digitalisierung des Handwerks, veröffentlicht im März 2017, herausgefunden. Demnach sagen vier von fünf Handwerksbetrieben (81 Prozent), dass sie generell aufgeschlossen gegenüber dem Thema Digitalisierung sind. Gut zwei Drittel der Betriebe (69 Prozent) nehmen die Digitalisierung als Chance wahr. Trotz der großen Offenheit gegenüber digitalen Anwendungen kommen sie noch längst nicht in allen Betrieben zum Einsatz. Nach den Ergebnissen der Untersuchung verwendet jeder zehnte Betrieb (10 Prozent) sogenannte Tracking-Systeme. Damit können zum Beispiel Lagerbestände von Werkstoffen ermittelt und Lieferwege am Computer nachverfolgt werden. Neun Prozent nutzen 3D-Technologien wie etwa 3D-Drucker oder 3D-Scanner. Erst drei Prozent der Betriebe setzen Roboter ein. Drohnen werden von zwei Prozent der Handwerksbetriebe genutzt.

Wir fragten beim Branchenverband Bitkom nach, woran es liegt, dass nur zwei Prozent der Handwerkbetriebe bislang Drohnen benutzen. Marc Bachmann,
Bereichsleiter Luftfahrt und Verteidigung beim Bitkom meint, dass die komplexen gesetzlichen Rahmenbedingungen Ursache dafür seien, dass der Einsatz von Drohnen nicht schon stärker vorangeschritten ist. Er fordert, dass derzeitige und künftige Einsatzmöglichkeiten von Drohnen im Rahmen des Luftverkehrsgesetzes nicht eingeschränkt werden dürfen. Die Einsatzbedingungen müssten praxisverträglich bleiben.

In der aktuellen Mappe 11/17 widmen wir uns den unbemannten Flugobjekten in den Trends & Chancen. Lesen Sie unbedingt in unsere Artikel hinein, wir decken unter anderem auf, wie das Handwerk von der Flugtechnik profitieren kann und zeigen aktuelle Statistiken.