Eine neue Handwerkskultur

Die Maker Bewegung, getragen von Hobbybastlern, Technikenthusiasten oder Studenten, ist eine Quelle für Innovationen und neue Produkte. Die »Makers « produzieren in Gemeinschaftswerkstätten, ohne das große Geld und gigantische Fabriken – ihr Rohstoff ist die Kreativität. Lesen Sie mehr über den neuen Trend zum Selbermachen und über die Möglichkeiten, die sich daraus für das Handwerk ergeben.

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Die neue Bewegung im Handwerk: »Maker«, die kreative Communities bilden, in denen sie sich gegenseitig unterstützen.

Wer dafür brennt, für den ist das  Maker Movement eine wahrhaft zukunftsweisend. Die weltweite Bewegung bietet ein großes Potenzial für neue Entwicklungen in Gesellschaft und Wirtschaft. Vereinigt sie doch viele Bereiche, die im Zeitalter der Digitalisierung vor einem Umbruch stehen: Soziales, Umwelt, Energie, Wirtschaft, Bildung usw. Die Maker-Bewegung ist eine Verbindung aus sozialem Miteinander und Handwerk, Kreativität und digitaler Technik. Sie ist prädestiniert dafür,  das Handwerk auf dem Weg in die Digitalisierung zu begleiten, denn sie hat das Potenzial tradiertes (handwerkliches) Können in die digitale Welt zu transportieren und die Digitalisierung im Handwerk zu etablieren. »Maker verstehen sich als Graswurzelbewegung, die Menschen befähigt, kompetent mit Technologie umzugehen und vom passiven Konsument zum selbstbewussten Produzent zu werden.

Für viele ist das Maker Movement darüber hinaus eine soziale Bewegung, die unsere Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft nachhaltig verändern kann«, beschreibt Dipl.-Designerin Prof. Anne Bergner die Bewegung in der Studie: »Make-Design-Innovate: Das Potential des Maker-Movements für Innovation, Kreativwirtschaft und Unternehmen«.

»Macher« neuer Art

Prof. Anne Bergner beschreibt Maker als »eine neue Generation von Selbermachern, die das volle Potenzial digitaler Technologien und Werkzeuge nutzen. Sie entwickeln innovative Produkte und stellen physische Dinge her. Sie sind Techniker, Erfinder, Hobbyisten, Unternehmer, Künstler, Aktivisten, Hacker, Handwerker, Schüler oder Designer. Sie wollen   Neues lernen und Technologien verstehen, um mit ihnen kreativ umgehen zu können. Sie experimentieren und produzieren mit neuen Fertigungstechniken und traditionellen Werkzeugen. Sie bauen und entwickeln aus eigenem Antrieb und auf Basis selbstgewählter Probleme und Aufgaben.« Die »Maker« sind echte Tüftlerinnen und Tüftler, die ihr Wissen einsetzen, sich austauschen und etwas voran bringen wollen. Spiegel online bezeichnet Maker als »kleine, enorm innovative und kreative Gruppen, die physische Dinge schaffen wollen. Über alle Grenzen hinweg vernetzt, mehr am Nutzen orientiert als am Profit, ist das Idealbild«. Chris Anderson beschreibt in seinem Buch »Makers«, dass die Maker eine große Bandbreite verschiedener Tätigkeiten, vom traditionellen Handwerk bis zur Hightech-Elektronik, abdecken. Er weiß: »Im Maker-Movement trifft die Internetgeneration auf die reale Welt.«

In offenen Werkstätten

Maker bilden kreative Communities im Internet und in der realen Welt, in denen sie sich gegenseitig unterstützen, lernen und kollaborieren. Ziel vieler Anhänger ist es, mit eigenen Mitteln ein technisches Problem zu lösen, ohne den Einsatz kostspieliger Speziallösungen. Technisches Verständnis, kreatives Problemlösen, soziales Miteinander und handwerkliches Geschick würden dabei ganz  nebenbei trainiert, weiß Anne Bergner. Die Maker arbeiten in öffentlich zugänglichen Werkstätten und teilen sich dort Werkzeuge und Wissen. Das müssen nicht immer reine Werkräume sein, es gibt Plätze für Maker auch in Bibliotheken, Vereinsheimen oder in Verbindung mit einem Café. Die Gemeinschaftswerkstätten werden übergeordnet als »Maker Spaces« bezeichnet  oder als MakerLab, FabLab, Hackerspace, KreativLabor, Shared Machine Shop, Innovationswerkstatt oder offene Werkstatt usw., abhängig von den Hintergründen und  Kulturen. Werkzeuge, Maschinen, Wissen usw. werden gemeinsam genutzt und geteilt. Ein wichtiger Aspekt der Maker ist, Dinge zu reparieren statt wegzuwerfen. In Dortmund ist im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts Selfmade der erste inklusive MakerSpace entstanden. Maker mit und ohne Behinderung arbeiten gemeinsam an Hilfsmitteln, um Alltag und Arbeitsleben behinderter Menschen u. a. mit Hilfe von 3D-Druckern zu verbessern. Es wurden bereits Halterungen am Rollstuhl für Getränkebecher, Handy und Schlüssel entworfen  und hergestellt sowie Tools, die das Halten von Stiften oder Besteck erleichtern.

Wertschätzung für die Maker-Bewegung

Unter dem damaligen Präsident Barack Obama erlangte das Maker Movement große Bedeutung. So hat Obama im Juni 2014 eine Maker-Messe (Maker Faire) im Weißen Haus ausrichten lassen, bei der er die »Nation of Makers« ausrief, eine nicht profitorientierte Unterstützung für Amerikas Makers. Auch in Deutschland tat sich etwas: Ein Jahr später übernahm der damalige Bundeswirtschaftsminister   Sigmar Gabriel die Schirmherrschaft für die Berliner Maker Faire 2015. Doch nicht  nur in den Industrienationen macht das Maker Movement Sinn: Gerade in ärmeren Gebieten der Welt bieten FabLabs Möglichkeiten, Wissen über Produktionsmöglichkeiten zu erlernen. Und Maker-Messen sind Möglichkeit, sich international zu vernetzen und gegenseitig anzuregen. Mit einfachen, erschwinglichen Produktionsmitteln kann vor Ort produziert und repariert werden, lokale Markplätze entstehen, wo preisgünstige Dinge etwa aus dem  3D-Drucker angeboten werden können.

Noch mehr zur Maker-Bewegung und wie das Malerhandwerk den Trend für sich nutzen kann, lesen Sie in der Märzausgabe der Mappe 3/2018.