Eine Million Zuschauer für einen Maler-Kanal

Der gelernte Maler und Lackierer Florian Heisen gibt auf seinem YouTube-Kanal »DerMaler« Tipps und Tricks sowie wöchentlich ein Tutorial zum Tapezieren, Streichen und Lackieren. Mittlerweile hat er über 100.000 Abonnenten, an guten Monaten über 1 Mio. Zuschauer. Kürzlich wurde der Kanal noch mit dem »YouTube Silber Play Button Award« ausgezeichnet und ist damit der größte Kanal in Deutschland, der sich mit dem Maler und Lackierer-Bereich auseinander setzt.

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Florian Heisen ist gelernter Maler und Lackierer und wurde zum Youtube-Filmemacher. Foto: privat

Mappe: Herr Heisen, Sie haben über 100.000 Abonnenten mit Ihrem YouTube-Kanal. Ihr Video »Barock-Bordüre selber streichen/malen« hat 1,3 Mio. Aufrufe. Wann haben Sie mit der Veröffentlichung der Videos begonnen und was war Ihre Motivation?

Florian Heisen: Ich möchte Tipps und Tricks aus dem Maler-Handwerk näherbringen und den Menschen zeigen, was es in diesem Bereich für unterschiedliche Arbeiten gibt und dass die meisten Leute eine falsche Vorstellung vom Handwerk haben. Auf Baustellen und im privaten Bereich ist mir oft aufgefallen, dass viele Leute falsch tapezieren, streichen, lackieren, einfachste Arbeiten falsch umsetzen – genau dort setzen meine Videos an. Leute, die nach Tutorials suchen, werden die Arbeiten auch selbst machen. Kein Mensch sucht nach einem Rezept und geht dann fünf Minuten später ins Restaurant.

Woher kommt die Amibition zum Bewegtbild?

Ich filme seit meinem 14. Lebensjahr leidenschaftlich und habe schon an einigen Filmwettbewerben teilgenommen. Nach meiner Gesellenprüfung arbeitete ich ungefähr ein Jahr als Geselle und bin dann 2012 für vier Jahre zur Bundeswehr. In dieser Zeit vermisste ich das Handwerk und die damit verbundene Arbeit. In mir kam die Idee auf, meine Leidenschaft zum Film mit dem Handwerk zu verknüpfen, was dann schließlich am 20.03.2016 zu meinem ersten Video auf YouTube führte.

Wie ist es Ihnen gelungen, so viele Abos und Klicks zu generieren?

Ich bin in meinen Videos authentisch, verstelle mich nicht und bekomme dadurch eine viel bessere Bindung zum Zuschauer. Wir alle fühlen uns doch bei denjenigen wohl, mit denen wir uns auf verschiedene Weise identifizieren können. Natürlich ist auch der Grad der Professionalität im Video-Bereich sehr wichtig, zum Beispiel eine schöne Lichtsetzung sowie eine gute und ansprechende Videoqualität, einen rhythmischen Schnitt etwa. Die Zuschauer müssen sich auch    unterhalten fühlen, niemand schaut gerne trockene und langweilige Videos. Aus diesem Grund versuche ich die Leute zu motivieren und auch bei Fragen und Antworten in den Kommentaren beizustehen.

Hätten Sie mit so einem Ansturm gerechnet?

Anfangs nicht, ehrlich gesagt war ich kurz davor gewesen, den Kanal nach drei Monaten zu löschen. Viele Maler haben mich angeschrieben und sich lustig über mich gemacht und sagten das klappt nicht. Viele waren auch der Meinung, ich würde das Handwerk kaputt machen.

Warum?

Weil mein Hobby zur damaligen Zeit daraus bestand, Tutorials zu veröffentlichen, die sich gerade mal 100 Leute anschauten. Es gab teilweise extreme Beleidigungen. Mir wurde sogar mit dem Tod gedroht. Aus heutiger Sicht hat mich das gestärkt, mittlerweile sind es über 100.000 Abonnenten und an guten Monaten über 1 Million Zuschauer. Kürzlich wurde der Kanal noch mit dem YouTube Silber Play Button Award ausgezeichnet und ist damit der größte Kanal in Deutschland, der sich mit dem Bereich der Maler und Lackierer auseinandersetzt.

Wissen Sie, wer sich Ihre Videos ansieht, sind das überwiegend Heimwerker oder eher Fachhandwerker?

Ungefähr 50/50 – anfangs war ich überrascht, wie viele Leute vom Fach meine Videos schauen. Besonders klar wurde es mir auf der FAF in Köln, wo ich mit einigen Zuschauern ins Gespräch gekommen bin. Viele sagten mir, dass sie meine unkonventionelle Art mögen und mir deswegen gerne zuschauen. Auch viele Lehrlinge sind darunter, die sich ein paar Tipps abschauen wollen, besonders wenn es um das Thema „Einsteiger Farbtechniken“ geht.

Wie hoch sind Aufwand und Kosten bei der Produktion solcher Videos?

Durchschnittlich brauche ich für ein Video drei bis vier Tage, das bedeutet meistens von morgens bis abends Planung, Ausführung, Trocknungszeiten und Videoschnitt. Am Ende ergeben ca. 32 Stunden Arbeit sieben bis zehn Minuten Film. Viele Leute unterschätzen den Aufwand und denken, dass man sowas in acht Stunden locker über die Bühne bekommt. Leider ist das in der Praxis nicht der Fall, zumindest nicht, wenn man Videos im Handwerkerbereich erstellt und auf Qualität achtet. Aktuell habe ich für Videoequipment bis zu 8000 Euro ausgegeben, was sich in meinem Fall auch gelohnt hat. Einsteigern würde ich davon abraten, so viel Geld in die Hand zu nehmen. Die meisten Smartphones haben inzwischen eine super Bildqualität, in der Regel hat man sie direkt zur Hand. Und kostenlose Videoschnittsoftware hat im Normalfall jedes Computersystem vorinstalliert.

Welchen Einfluss haben Sie auf die Werbung vor den Videos?

YouTube schaltet meist personalisierte Werbung vor den Videos. Viele kennen das: Man sucht nach etwas Bestimmtem und fünf Minuten später bekommt man genau zu diesem Thema Werbung angezeigt. Manchmal ist das wirklich gruselig. Was ich entscheiden kann, ist höchstens, ob das Video überhaupt Werbung haben soll oder nicht. Interessanterweise hat das auch etwas mit der Reichweite zu tun. Ein Video ohne Werbeinhalt wird nicht so viel Reichweite bekommen wie ein Video mit Werbung. Nach fünf Sekunden kann man die Werbung wegklicken, aber es gibt auch Zuschauer, die sehen sie sich die Werbung sogar extra an, um ihre YouTuber zu unterstützen.

Sind Sie denn jetzt Vollzeit-Youtube oder auch noch als Maler tätig?

Seit Anfang 2019 bin ich hauptberuflich als Maler auf YouTube unterwegs und produziere Tutorials. Außerdem unterstütze ich Firmen und Unternehmen im Bereich Social-Media auf YouTube. Trotzdem erreichen mich monatlich viele Nachrichten und Angebote, ob ich nicht vorbeikommen könnte, um zu streichen oder um zu tapezieren. Ich lehne dann immer dankend ab und erkläre, dass ich keine Malerfirma habe und nur auf YouTube aktiv bin.

Können Sie von den Einnahmen aus Ihrem Kanal leben?

Von den reinen Kanal-Einahmen nicht wirklich, aber es gibt noch Amazon-Affiliatlinks und Produktplatzierungen.

Was sind denn Affiliatlinks?

Die Amazonlinks sind provisionsgebundene Partnerlinks, wodurch keine Mehrkosten entstehen und ein gewisser Prozentsatz von einem gekauften Produkt an den Ersteller gehen. Dadurch empfehle ich meistens Produkte, die ich selber regelmäßig nutze und die ich guten Gewissens weiterempfehlen kann. Produktplatzierungen sind Videos, in denen ich ein Produkt für ein Tutorial-Projekt benutze und es teste. Oft gibt es unseriöse Angebote von Firmen die glauben, mit Geld jede Meinung zu kaufen. Das ist auch der Grund, warum viele Leute zurecht Vorurteile gegenüber Youtubern haben. Auf meinem Kanal gehe ich immer offen damit um, die Zuschauer wissen, was ich unterstütze und was nicht.