Typische Fragen zur Fassadenbeschichtung

 

Ihr Kunde wünscht die Beschichtung seiner Fassade. Sie führen vor Ort ein Beratungsgespräch und informieren über mögliche Beschichtungsstoffe und vorhandene Mängel. Welche Punkte sollten Sie dabei ansprechen? Die Mappe hat typische Fragen und Probleme aufgegriffen und sprach darüber mit Hans Joachim Rolof, ö.b.u.v. Sachverständiger und Gesellschafter des iba-Institut Gottfried & Rolof, Düsseldorf, Koblenz, Stuttgart.

»Hydrophil« und »hydrophob« haben sich zu vielgenutzten Begriffen bei der Auswahl und Anwendung von Fassadenbeschichtungen etabliert. Welches Eigenschaftsprofil empfiehlt sich für welche Anwendungssituation?

Hans-Joachim Rolof: Grundsätzlich gilt, dass der Malermeister bei der Beratung gegenüber seinem Kunden zunächst die Eigenschaftsprofile in den Vordergrund stellen sollte, welche der zu beschichtende Untergrund mit sich bringt. Dabei sind die vielfältigsten Herausforderungen zu bestehen: Untergründe können aus Stahlbeton, Kalksandstein-Mauerwerk, Außenputzen verschiedener Bindemittelgruppen (Kalkzement-Putze, kalkreiche Außenputze), oder auch älteren Wärmedämm-Verbundsystemen mit verschiedenen Oberputzen bestehen. Weiterhin gehören auch Vorhangfassaden, z.B. werkseitig beschichtete Asbestzement-Fassadenplatten und manchmal auch Naturstein-Mauerwerk zu den Untergründen, die es schützen gilt.

Fassaden-Beschichtung-Bernd-Ducke-1

Geiz ist zwar geil und so könnte dann die Auswahl bedeuten, man nehme den günstigsten sprich billigsten Beschichtungsstoff – hier aber genau liegt das Risiko! Nicht jeder Beschichtungsstoff ist für die vorgenannten Untergründe gleichermaßen gut geeignet. Dies machen auch die Begriffe »Hydrophil« und »Hydrophob« deutlich. Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Bauwerke außen vor dem Einfluss der Witterung, vornehmlich Kohlendioxid oder anderen Schadgasen und der Feuchtigkeit (also Wasser) zu schützen sind.

Der kapillaren Wasseraufnahme kommt daher eine besondere Bedeutung zu – bei Beregnung sollte eben die Fassade trocken bleiben. Dies gelingt vornehmlich zunächst mit wasserabweisenden also hydrophoben Beschichtungsstoffen. Jedoch ist die wasserabweisende Wirkung eben nur ein Argument, dass es zu bedenken gilt, wenn es um den Schutz der Fassade geht – bei der Bildung von Mikroorganismen (sprich Algen- und Pilzbefall) ist die »trockene Fassade« nur vordergründig positiv.

Die hydrophobe Bauteiloberfläche lässt beim Abkühlen feuchtwarmer Außenluft schnell Kondenswasser entstehen. Die Sporen von Algen und Pilzen wurden aber schon vorher vom Wind von Bäumen, Grünflächen oder anderen Begrünungen an die Fassade geweht. Kommt nun dieses Tauwasser auf die mit Algen- und Pilzsporen behaftete Oberfläche der hydrophobierten Fassade, so kann dort eben dann eine Verschmutzung durch organischen Befall entstehen. Am sinnvollsten erscheint daher eine Fassadenbeschichtung, die im Einklang mit der notwendigen Abwehr von flüssigem Wasser bei Beregnung, aber auch Kondensat durch Tauwasser umgehen – hier sind Dispersion-Silikatfarben im Vorteil. Üblicherweise werden solche Dispersion-Silikatfarben auch werkseitig hydrophobiert, so dass der Schlagregenschutz gut gewährleistet ist.

Wie ist das Verschmutzungsverhalten einer hochhydrophoben Fassadenbeschichtung, die häufig auch mit »Lotus-Effekt« angeboten wird, im Vergleich zu konventionellen Fassadenfarben?

Hans-Joachim Rolof: Die hochhydrophoben Fassadenbeschichtungen haben den bereits angesprochenen positiven Effekt, dass die Fassade auf jeden Fall trocken bleibt: die kapillare Wasseraufnahme bei Beregnung ist soweit reduziert, dass eine Durchfeuchtung nicht mehr stattfinden kann. Jedoch ist der Nachteil eben die latente Gefahr der Bildung von Tauwasser durch Kondensatbildung. Dies ist der Fall, wenn die Sonne morgens aufgeht und die Außenluft erwärmt. Warme Luft nimmt dann mehr Luftfeuchtigkeit auf als kalte Luft dies vermag. Die feuchtwarme Außenluft trifft dann auf die durch nächtliche Wärmeabstrahlung abgekühlte Oberfläche der Fassade. Dadurch wird die Lufttemperatur deutlich reduziert und die kalte Luft kann die Menge darin enthaltenen Wasserdampfs nicht mehr halten, so dass es zur Kondensatbildung kommen muss.

Aufgrund dieses Effekts können hoch hydrophobierte Fassadenbeschichtungen dann schneller zum Befall durch Grünalgen oder Schwärzepilze neigen. Es empfiehlt sich, auch solche Beschichtungsstoffen vorbeugend mit einem algiziden und/oder fungiziden Zusatz werkseitig eingestellt zu bestellen.

 

Fotos: Bernd Ducke/Mappe