Ein Experte klärt auf: Coaching im Handwerk

Der Berater im Handwerk, Klaus Steinseifer, kennt sich als Bankkaufmann und Malermeister mit der Unternehmensentwicklung von Malerbetrieben bestens aus. 1983 übernahm er den kleinen Malerbetrieb des Vaters und baute ihn zum mittelständischen Handwerksunternehmen mit vielen Spezialisierungsbereichen aus. 1989 wird er von seiner Handwerkskammer in seine ersten Referentenaufgaben für die erfolgreiche Unternehmensführung im Handwerk berufen. Seit dem Verkauf seiner Unternehmen im Jahr 1993 ist Klaus Steinseifer als freiberuflicher Referent und Berater im Handwerk und im Mittelstand tätig und hat bislang mehr als 5000 Seminarteilnehmer und Seminarteilnehmerinnen auf diesem Weg begleitet.

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»Das größte Problem bei Betriebsinhabern bleibt das Zeitmanagement«, sagt Klaus Steinseifer.

Mappe: Herr Steinseifer, welches sind die häufigsten Coaching-Themen von Malerbetrieben, die bei Ihnen eine Beratung suchen?

Klaus Steinseifer: Die Coaching-Themen sind so individuell, wie jedes Unternehmen einzigartig ist. Ich nenne Ihnen einmal die drei wichtigsten Themen, die an mich herangetragen werden:

Erstens: Unternehmensführung in Verbindung mit einem funktionierenden Zeitmanagement und der vorausschauenden Planungen, die Organisation des Unternehmens in Verbindung mit funktionierenden Ablaufplänen, Verantwortungen und Kompetenzverteilungen. Zweitens: Der Aufbau einer Arbeitgebermarke und der Fachkräftemangel. Drittens: Zahlen, Daten, Fakten im Controlling des Unternehmens und das leidige Problem mit dem Steuerberater. Ein guter Steuerberater ist der wichtigste externe Berater, er muss präsent sein. Genauso selbstverständlich wie dieser sollte der Berater im Handwerk sein. Viele Betriebe haben keine vorausschauende Planung, keine Unternehmensentwicklung, die Unternehmensorganisation ist unprofessionell, es fehlt echtes Controlling. Die wenigsten haben eine Arbeitgebermarke, was im Hinblick auf die Fachkräfterekrutierung sehr wichtig ist. Um die zu entwickeln, braucht es allerdings schon zwei bis vier Jahre. Das größte Problem von Handwerksunternehmern ist nach wie vor das Zeitmanagement: Ein 60-Stunden-Tag ist für viele Chefs normal und dabei verdienen sie weniger als ein gut bezahlter Geselle. Wenn jemand allerdings mit Freude und einem angemessenen Ergebnis 50 Stunden in der Woche arbeitet und dabei seine sozialen Beziehungen und die Gesundheit nicht darunter leiden, dann ist es okay.

Mappe: Wann ist eine Beratung erfolgversprechend?

Klaus Steinseifer: Grundsätzlich geht nichts ohne die Bereitschaft zur Veränderung. Eine Beratung ist am langen Ende nur so gut, wie der zu beratende Unternehmer auch bereit ist, die Beratungsinhalte in seinem Unternehmen anzuwenden. Oft wird ein Berater engagiert, um ihn als eierlegende Wollmilchsau zu betrachten. Das nützt leider nichts, man muss die Dinge, die erkannt und besprochen wurden auch in die Hand nehmen. Ein guter Berater hilft bei der Umsetzung. Es gibt Berater, die machen eine ausführliche Schwachstellenanalyse und das wars. Ich mache da lieber eine Checkliste für die Umsetzung und bleibe dran. Das heißt, ich frage auch nach, warum etwas nicht gemacht wurde.

Mappe: Können Sie kurz die Entwicklung skizzieren, die das Coaching oder die Beratung im Laufe Ihrer Beratertätigkeit vollzogen hat?

Klaus Steinseifer: Das Zeitproblem ist unverändert gleich, wie damals: Keine Freizeit, kein Urlaub, keine Zeit für die Familie, keine Wochenenden. Der Existenzgründer, egal ob Neugründer, Nachfolger oder Quereinsteiger, hat sich vorher überhaupt keine Gedanken über sein Zeitmanagement gemacht und welche Anforderungen das Unternehmen an ihn stellt. Er reagiert und richtet sich nach dem Unternehmen, ohne sein Unternehmen nach seinen Bedürfnissen ausgerichtet zu haben. Verändert haben sich die Anforderungen an das Mitarbeiterimage im Markt, insbesondere vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. Außerdem wird mehr Wert auf ein funktionierendes Controlling gelegt und nach einem funktionierenden Online-Marketing gefragt.

Mappe: Was sind die häufigsten Knackpunkte, an denen Unternehmen in der Beratung scheitern?

Klaus Steinseifer: Sie machen nicht das, was der Berater empfiehlt. Oder es ist der falsche Berater. Oder der Berater arbeitet nicht individuell – nur nach Schema »F«, das bei allen Unternehmen gleich angewendet wird. Das ist fatal, denn jedes Unternehmen ist anders ausgerichtet und jeder Mensch hat andere Wünsche an sich und seine persönliche Zukunft. Häufig passt das Anforderungsprofil an den Berater nicht, das der Unternehmer gestellt hat. Hier fallen nicht wenige auf Telefonakquisen rein.

Mappe: Sie praktizieren Coaching ja schon länger als es jetzt Trend ist. Wie beurteilen Sie das stetig wachsende Angebot an Coachingangeboten?

Klaus Steinseifer: Leider braucht man als Coach keine Ausbildung, keine Qualifizierung, eine Anmeldung als Freiberufler beim Finanzamt oder eine Gewerbeanmeldung reicht. Manche behaupten, der perfekte Coach zu sein, weil sie einmal im Leben eine tolle Sache in ihrem Unternehmen umgesetzt hat. Außerdem versuchen sich immer wieder auch gescheiterte Handwerksunternehmer oder Unternehmer aus anderen Branchen gerne als »Coach«.

Mappe: Was raten Sie Hilfesuchenden bei der Wahl des richtigen Coaches?

Klaus Steinseifer: Das ist schwierig, denn Sie können kein greifbares Produkt vergleichen. Sie können prüfen, ob der Berater seinen Werkzeugkasten beherrscht. Ein Coach, der einen Malerbetrieb beraten will, muss sich auf jeden Fall im Handwerk auskennen. Ob er aber wirklich mit den Werkzeugen umgehen kann, wissen Sie erst dann, wenn Sie ihn erlebt haben. Die persönliche Empfehlung eines Geschäftsfreundes wäre nicht schlecht. Am besten führen Sie ein Telefongespräch oder ein persönliches Gespräch. Ihr Bauchgefühl und die Zwischenmenschlichkeit entscheiden besser als alle vorgelegten Unterlagen. Vermittelt Ihr Gegenüber das, was er in seinen Werbeaussagen und seinen Informationsmaterialien verspricht? Jetzt erst können Sie sich ein rationales Bild machen. Jetzt wissen Sie, ob Ihnen der richtige Partner gegenüber sitzt. Hat er sich auf das Gespräch mit Ihnen individuell vorbereitet? Ist er schlüssig in seinen Äußerungen? Kann er sein Konzept rüberbringen? Ich warne vor langfristigen Beraterverträgen, die beispielsweise über zwei Jahre laufen mit einer Anzahlung, da kommt meistens nicht viel raus. Erteilen Sie lieber anwendungsbezogene Aufträge. Meinen Interessenten empfehle ich erst mein Chefseminar zu besuchen, in dem sie das Handwerkszeug bekommen um Probleme alleine zu lösen und wir lernen uns kennen, ob es für eine individuelle Beratung passen könnte.

Mappe: Was erwidern Sie Aussagen wie »Früher ging es doch auch ohne Coaching, was soll der Hype, ich kann meinen Betrieb alleine führen«?

Klaus Steinseifer: Ja, jeder ist sein bester Berater, das sind auch meine ersten Worte bevor ich in eine Beratung einsteige, die ich mit der Frage: »Was erwarten Sie von mir, als Ihrem Berater« verbinde. Ich lehne mehr Beratungen ab als ich annehme!

Hier hatten wir schon einmal über die Entwicklungen im Coaching-Markt geschrieben.

 

Eine Checkliste von Klaus Steinseifer mit den entscheidenden Kriterien eines guten Beraters oder Coaches können Sie hier herunterladen.

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Eine weitere Checkliste Auftraggeber und Klienten vom Bundesverband Coaching, mit der Sie Qualitätsmerkmale im Coaching erkennen können, finden Sie hier.

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