Echte Typen

Personal Branding ist eine große Chance gerade für eigentümer- oder familiengeführte Handwerksbetriebe. Wer sich zeigt und authentisch und sympathisch rüberkommt, gewinnt Kunden, Mitarbeiter und andere Fans. Darüber hatten wir bereits hier berichtet. Wie Ihnen das gelingen kann und wie es Kolleginnen und Kollegen bereits vorleben, lesen Sie hier.

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Familiengeführte Betriebe können das Personal Branding optimal für sich nutzen. Zeigen Sie Persönlichkeit und verstecken Sie nicht Ihre Ecken und Kanten, Kunden lieben Authentizität.

Das Handwerk ist sehr vertrauenswürdig. Das hat der GfK Verein in seinem »Global Trust Report 2017« herausgefunden, der in 25 Ländern das Vertrauen in Institutionen und Branchen ermittelt. Demnach ist das Handwerk der Wirtschaftsbereich, dem die Deutschen das größte Vertrauen schenken mit 85 Prozent. Exakt genauso viele Deutsche vertrauen der Polizei im Umfragebereich »Institutionen«. Dieser Vorschussbonus ist schon mal eine Steilvorlage für Handwerksunternehmer. Nun gilt es das Vertrauen im Wettbewerb auszubauen, die eigene Marke zu stärken, und auch die Unternehmerpersönlichkeit. Wie werden Sie zu einer echten Personenmarke, zu einem Typ? »Um Vertrauen zu schaffen und persönliche Bindungen zu ermöglichen,
solltest du vor allem eines tun: Lasse dein Publikum hinter die Kulissen blicken; gib deiner Marke ein menschliches Gesicht und zeige Persönlichkeiten, die hinter dem Unternehmen stehen. Dadurch können Kunden einen Bezug zu dir beziehungsweise deinem Unternehmen herstellen, wodurch auch die Marke besser in Erinnerung bleibt. Der Unterschied zwischen Marketing,
dem wir zuhören, und Marketing, das wir schnell wieder vergessen, ist unter anderem dieser Grad an Menschlichkeit«, schreibt Lisa Schubert auf www.onlinemarketing.de.

Das Handwerk versteckt viel

Die Handwerksberaterin Claudia Schimkowski meint, dass sich Personal Branding auf den ersten Blick für Handwerker ein bisschen hochtrabend anhören kann. Im Mappe-Interview erklärt sie: »Aus unserer Agenturerfahrung können Handwerksbetriebe viel mehr damit anfangen, wenn sie wissen, dass das bedeutet, dass die Personen, der Chef oder die Chefin, die Mitarbeiter oder auch die Inhaberfamilie im Vordergrund stehen.« Darauf aufbauend werde die Sichtbarkeit des Betriebs in der Region aufgebaut – also zur Marke entwickelt. Beim Personal Branding setzten die Betriebe auf das, was im Handwerk die eigentliche Trumpfkarte ist: auf die persönliche Verbindung und die eigene Handwerkerpersönlichkeit, in der Region, dort wo sie bekannt sind. »Die Zauberformel lautet: kennen, mögen, vertrauen. Jedes Geschäft, egal was es ist, läuft immer so ab. Ich muss jemanden erst kennen, dann brauche ich einen gewissen persönlichen Draht und weiterhin muss ich auch Vertrauen zu ihm haben. Erst dann vergebe ich einen Auftrag.« Die Agenturchefin bedauert, dass dies im Handwerk oft gar nicht oder nur sehr wenig umgesetzt werde. »Betrachtet man beispielsweise Internetseiten von Handwerksbetrieben, sieht man wenig ›echte‹ Personen oder ein echtes Profil. Kaum ein Handwerker nutzt gute und stimmige Fotos von sich und seiner Belegschaft. Außerdem sind Texte oft wenig persönlich, austauschbar und zeigen nicht, was der Betrieb und damit seine Personen aus Kundensicht besonders  gut können. Damit  verschenkt das Handwerk viel.«

Ganz ähnlich sieht es Andrea Eigel, die seit über 20 Jahren Betriebsinhaber und Mitarbeiter in Marketing, Verkauf und Personalführung berät. Sie weiß aus eigener Erfahrung: »Es ist es eine Notwendigkeit, dass sich Handwerker positionieren und sichtbar machen. Leider nehmen viele diese Chance, sich zu präsentieren nicht wahr, denn Glaubwürdigkeit wird über die Menschen
gelebt«, sagt Andrea Eigel. Kunden und künftige Mitarbeiter empfänden die Unternehmen oft als austauschbar. Dabei seien die Menschen doch der Spiegel eines Unternehmens. Ob sich aber eine Unternehmerin oder ein Unternehmer gern zeigt und mit Fotos auf der Webseite präsentiert, ist für Andrea Eigel eine Frage der Persönlichkeit und der Einstellung. Und dann komme es
darauf an, dass die Selbstdarstellung immer authentisch ist, also der Unternehmer, die Unternehmerin auch wirklich so ist, wie er oder sie sich darstellt. Entscheidend sei auch, dass die Person sich in und mit der Selbstdarstellung wohlfühle, sonst wirke es aufgesetzt. »Die Darstellung des Unternehmers, der Unternehmerin als Personenmarke muss auch zum Rest des Unternehmens passen«, betont Andrea Eigel.

Mitarbeiter persönlich vorstellen

Auf der Homepage Fotos oder Videos von Mitarbeitern zu zeigen – natürlich nur mit deren Zustimmung –, dazu noch ein paar charakterisierende Worte: Das zeigt die Wertschätzung ihrer Arbeit und schafft Vertrauen – so empfinden es Webseitenbesucher. Das zeichnet einen Betrieb aus und vermittelt ein gutes Betriebsklima. Wenn die Mitarbeiter später beim Kunden klingeln,
sind sie manchem von der Webseite bekannt – ein echter Vertrauensvorschuss. Auch die verschiedenen Social Media-Plattformen wie Instagram lassen sich hierfür gut nutzen. Andrea Eigel bestätigt: »Potenzielle Kunden schauen auf der Unternehmenswebseite ohnehin nicht nur nach dem Chef, sondern nach den Mitarbeitern und nach Kundenstimmen. Denn die Mitarbeiter sind ja diejenigen, die dann in ihr Haus kommen. Da spielt die Vertrauenswürdigkeit und Seriosität eine große Rolle, Eigenschaften, die auf den ersten Blick an Merkmalen wie einem freundlichen Aussehen und einer sauberen und ordentlichen Kleidung festgemacht werden.«

Der gelungene Auftritt einer neuen Marke

Der Internet-Auftritt www.texturwerk.com steht stellvertretend dafür, wie Jörg Held das Thema Personal- und Unternehmensbranding interpretiert. Als Geschäftsführer des  Traditionsunternehmens Steuernagel & Lampert hat er aufgrund der gestiegenen Nachfrage seitens solventer Kunden nach individuellen Lösungen im hochpreisigen Oberflächendesign ein neues Firmenkonzept entwickelt, das als eigenständige Marke geführt wird: das Texturwerk. Auf der dazugehörigen Homepage werden Jörg Held und seine Mitarbeiter vorgestellt, genauso die Unternehmensgeschichte. Besonderes Highlight ist das prominent platzierte Video, das auf sehr emotionale Weise dem Betrachter die Arbeit des Texturwerks und die Menschen dahinter nahe bringt.

Sympathisches Gespann

Auch das Malerhandwerk Luy, aus Holzkirchen, zeigt wie man es richtig macht. Auf der Webseite www.luy-malerhandwerk.de und in ihrer Imagebroschüre kommt das Ehepaar Carmen und Claus Luy sehr sympathisch rüber mit professionellen Fotos und kurzen, charakterisierenden Beschreibungen. So steht unter dem Fotos von Claus Luy: »Inhaber, Maler- und Lackierermeister, staatl. geprüfter Farb- und Lacktechniker, Denker, Unternehmer aus Leidenschaft.« Bei Carmen Luy heißt es: »Kreatives Mitglied der Firma, Organisationstalent, liebt Saxophon, Kunstmalerin.« Die Firma Malerhandwerk Luy, 1994 in München durch Inhaber Claus Luy, Maler und Lackierermeister, staatl. gepr. Farb- und Lacktechniker gegründet.

In unserem Heftbeitrag der Januarausgabe 2018 haben wir weitere tolle Beispiele für Sie gesammelt, wie Kollegen aus der Branche Personal Branding gekonnt umgesetzt haben. Lassen Sie sich inspirieren und schaffen Sie sich Ihre ganz eigene Strategie, um Kunden langfristig von sich und Ihrer Marke zu überzeugen.