Duales Studium zum Maler: Interview mit einem Ausbilder

Langsam dreht sich der Wind, immer mehr junge Menschen erkennen, dass nicht nur ein Studium in der üblichen Form zählt. Das duale Studium ist inzwischen hoch im Kurs. Dazu beigetragen haben die vielfältigen Bemühungen von Betrieben, Verbänden und Organisationen. Welche Karrierewege kann man im Malerhandwerk einschlagen?

Die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main bietet seit 2014 in Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences den dualen Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen mit dem Abschluss »Bachelor of Engineering« in Verbindung mit der Ausbildung zum Maler und Lackierer an. Voraussetzung für den dualen Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen ist ein Fachabitur oder Abitur. Die Kooperation ist Teil der langfristig angelegten Ausbildungsoffensive der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Beginn der insgesamt 5-jährigen Ausbildung ist im Herbst. Die Regelstudienzeit für das gesamte Studium inklusive Ausbildung beträgt neun Semester und gliedert sich in zwei Abschnitte. Im ersten Abschnitt steht die gewerbliche Berufsausbildung als Maler und Lackierer in einem Ausbildungsbetrieb im Mittelpunkt. Dieser endet nach etwa 30 Monaten mit der Gesellenprüfung durch die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Parallel zur Lehre nehmen die Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr das Studium an der Frankfurt University of Applied Sciences auf. Nach Abschluss des Studiums haben die Absolventen die Möglichkeit, direkt in das Berufsleben einzusteigen, ein Masterstudium mit möglicher anschließender Promotion anzustreben oder sich zum Maler- und Lackierermeister weiterbilden zu lassen.

Interview mit dem leitenden Ausbilder

Mappe hat sich im Interview mit Stefan Hofmann von der Eugen Hofmann GmbH, Frankfurt, unterhalten.

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Stefan Hofmann ist Ausbilder der Pilotstudenten im Dualen Studiengang im Maler- und Lackiererhandwerk.

Mappe: Herr Hofmann: Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem dualen Studium?

Stefan Hofmann: Im Fall von Phillip Hoffmann waren die gemeinsamen Erfahrungen durchweg positiv. Aufgrund der Vorbildung und des Alters war Phillip sofort in der Lage sich für den Betrieb in einem Maß einsetzen zu können, wie es einem durchschnittlichen Auszubildenden nicht möglich ist. Deutlich wurde dies im Zusammenhang mit der Kommunikation auf Baustellen, Selbstständigkeit auf Grund des Führerscheins,Aufnahmefähigkeit und Motivation .

Mappe: Hat das die Ausbildung aufgewertet oder war es schwierig mit den Zeiten der Abwesenheit für das Studium?

Stefan Hofmann: Die zeitliche Koordination zwischen universitärer Ausbildung und den Ausbildungszeiten auf der Baustelle bzw. im Büro ist schwierig, anstrengend und erfordert ein hohes Maß an Flexibilität von beiden Seiten. Das Ergebnis dieses gemeinsamen Abstimmungsprozesses führt so zu teilweise sehr kurzen unregelmäßigen Arbeitszeiten im Betrieb – ein bis zwei Tage – oder zu langen Abschnitten in den Semesterferien von acht bis zehn Wochen. Zur erfolgreichen Beendigung der Lehrlingszeit ist eine zusätzlich theoretische Förderung notwendig, da Duale Studenten nicht zum Berufsschulunterricht gehen. Hier gilt mein Dank der Phillip Holzmann Schule in Frankfurt, die ein Zusatzangebot für Duale Studenten zur Prüfungsvorbereitung eingerichtet hat.

»Ich bin überzeugt, dass dieser Sonderweg zunehmend an Bedeutung gewinnt!«

Mappe: Wie sind die anderen Mitarbeiter damit umgegangen, dass Philip Hoffmann gleichzeitig auch studiert? Was könnte verbessert werden?

Stefan Hofmann: Für eine positive Weiterentwicklung dieses Ausbildungskonzepts wäre es sinnvoll, die zeitliche Koordination zwischen Universität, den Überbetrieblichen Lehrgängen und dem Ausbildungsbetrieb zu optimieren. Mit einer steigenden Zahl an Dualen Studenten ist dies für alle Beteiligten leichter umzusetzen als bislang. Im Moment stellen die dualen Studenten in Hessen eine Randgruppe dar, die sich den bestehenden organisatorischen Bedingungen unterordnen muss. Hoffentlich ändert sich dies in Zukunft.

Mappe: Was raten Sie anderen Betriebsinhabern, die sich für das duale Studium interessieren?

Stefan Hofman: Ausbildung stellt immer ein Risiko dar, auch für den Ausbilder. Mit der Ausbildung eines Dualen Studenten kann sich dieses Risiko in soweit lohnen, als dass die Absolventen nach der Gesellenprüfung – in der Regel zweieinhalb Jahre – bis zum Ende Ihres Studiums, das fünf Jahre dauert, im Betrieb bleiben können und oft auch wollen. Diese Bindung ermöglicht eine perspektivische Zusammenarbeit, die besonders bei der Frage der Betriebsnachfolgregelung für viele Betriebsinhaber von großer Bedeutung sein kann. Zudem sind fertig ausgebildete Duale Studenten Bauingenieure und Maler und Lackierer. Mit dieser Kombination lassen sich natürlich ganz neue Geschäftsfelder für unser Gewerk erschließen, was für alle Beteiligten einen Vorteil darstellt. Mein Rat aus diesen Überlegungen an andere Betriebsleiter lautet deshalb: gehen Sie das Risiko ein und versuchen Sie es, sobald sich die Gelegenheit bietet !

Mappe: Was wünschten Sie sich von Philipp Hoffmann? Werden Sie wieder einen dualen Studenten einstellen?

Stefan Hofmann: In unserem Fall sind die Entwicklungen bisher positiv verlaufen, sodass Phillip in unserem Betrieb bleiben und im Bereich der Betriebsführung mitarbeiten wird. Darüber freuen sich nicht zuletzt auch alle Mitarbeiter. Gerne würde ich wieder mit einem Dualen Studenten zusammenarbeiten und ihn ausbilden, zumal wir nun einige Erfahrungen gesammelt haben, die es leichter machen. Ich bin überzeugt, dass dieser Sonderweg zwischen akademischer und handwerklicher Ausbildung zunehmend an Bedeutung gewinnt, weil so für junge Menschen mit Abitur ein Arbeitsfeld eröffnet ist, das neben einer rein akademischen Ausbildung den Weg zu einer Verbindung von Hirn und Hand ermöglicht. Akademische Ausbildung hat in unserer Gesellschaft eine sehr hohe Akzeptanz im Vergleich zu einer handwerklichen Ausbildung. Durch eine Duale Ausbildung fühlen sich aber viele junge Menschen angesprochen, die möglicherweise nie eine handwerkliche Ausbildung begonnen hätten. Mit diesem Ausbildungsangebot kann also auch einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung entgegen gewirkt werden. Andere Bundesländer haben die Bedeutung dieser Ausbildungsart viel früher erkannt und politisch gefördert als Hessen das getan hat.

Hier finden Sie ein Interview mit dem Pilotstudenten des dualen Studiengangs zum Maler und Lackierer und hier ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Bildungsausschusses des Bundesverbands.

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