Duales Studium zum Maler: Interview mit dem Bildungsausschuss

Langsam dreht sich der Wind, immer mehr junge Menschen erkennen, dass nicht nur ein Studium in der üblichen Form zählt. Das duale Studium ist inzwischen hoch im Kurs. Dazu beigetragen haben die vielfältigen Bemühungen von Betrieben, Verbänden und Organisationen. Welche Karrierewege kann man im Malerhandwerk einschlagen?

Die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main bietet seit 2014 in Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences den dualen Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen mit dem Abschluss »Bachelor of Engineering« in Verbindung mit der Ausbildung zum Maler und Lackierer an. Voraussetzung für den dualen Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen ist ein Fachabitur oder Abitur. Die Kooperation ist Teil der langfristig angelegten Ausbildungsoffensive der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Beginn der insgesamt 5-jährigen Ausbildung ist im Herbst. Die Regelstudienzeit für das gesamte Studium inklusive Ausbildung beträgt neun Semester und gliedert sich in zwei Abschnitte. Im ersten Abschnitt steht die gewerbliche Berufsausbildung als Maler und Lackierer in einem Ausbildungsbetrieb im Mittelpunkt. Dieser endet nach etwa 30 Monaten mit der Gesellenprüfung durch die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Parallel zur Lehre nehmen die Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr das Studium an der Frankfurt University of Applied Sciences auf. Nach Abschluss des Studiums haben die Absolventen die Möglichkeit, direkt in das Berufsleben einzusteigen, ein Masterstudium mit möglicher anschließender Promotion anzustreben oder sich zum Maler- und Lackierermeister weiterbilden zu lassen.

Interview mit dem neuen Vorsitzenden des Bildungsausschusses des Bundesverbands

Mappe hat im Interview einige Fragen an den Vorsitzenden des Bildungsausschuss im Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz Holger Jentz gestellt.

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Holger Jentz vom Bildungsauschuss des Bundesverbands im Interview mit Mappe.

Mappe: Herr Jentz, Handwerker sind gerade sehr gefragt. Wird eine Ausbildung im Handwerk dadurch begehrenswerter, nach dem Motto: »was rar ist, ist kostbar«?

Holger Jentz: In der Tat können wir mit dem Argument der hohen Nachfrage nach handwerklichen Leistungen und Handwerkern sowie einem sicheren Arbeitsplatzes besser bei jungen Menschen punkten.+

Mappe: Wie stark steht das Image des Handwerks, das gesellschaftlich häufig nicht die adäquate Wertschätzung bekommt, bei der Wahl zwischen Studium und Berufsausbildung im Weg und was ist zu tun bzw. wird unternommen?

Holger Jentz: Die adäquate Wertschätzung ist ein Problem, mit dem uns beschäftigen. Hier muss durch entsprechende Aufklärung auf die vielfältigen Möglichkeiten der Weiterbildung nach einer bestandenen Ausbildung hingewiesen werden, die absolut vergleichbar mit einem Studium sind. So kann die angestrebte gesellschaftliche Wertschätzung erreicht werden. Unbedingt hervorgehoben werden sollten auch die finanziellen Aspekte im Vergleich Ausbildung zu Studium: Azubis sind nach der Ausbildung und anschließender Weiterbildung von Anfang an auf sicherere Beine gestellt als Studierende. Die Aufklärung über die Vorteile, ein Handwerk zu erlernen, muss in der der Schule parallel zu den Erziehungsberechtigten erfolgen. Wir arbeiten daran und müssen das aber noch deutlicher herausstellen. Um die Wertigkeit der beruflichen Ausbildung in das richtige Licht zu rücken, brauchen wir die Unterstützung von Politik und Wirtschaft. Es gibt bereits diverse Nachwuchs- und Imagekampagnen, sowohl von einzelnen Landesverbänden als auch von der Industrie. Allerdings wäre eine gemeinsame Imagekampagne wünschenswert.

Mappe: Wie schätzen Sie die Möglichkeit des dualen Studiums ein, können damit tatsächlich mehr Auszubildende gewonnen werden und was haben die Betriebe unter dem Strich davon?

Holger Jentz: Weil auch hier steht der Begriff »Maler« im Vordergrund steht, ist es auch hier erforderlich, die gesellschaftliche Wertschätzung des Malerberufs zu verbessern. Man wird hier sicherlich auch Auszubildende gewinnen können, die auch das Image verbessern können, nur wird die Anzahl unser Defizit nicht zu decken vermögen. Die Betriebe gewinnen durch das duale Studium gut ausgebildete Führungskräfte, die auch dringend benötigt werden, denn umfassendes, fundiertes betriebswirtschaftliches Wissen ist heute unerlässlich für jeden Betriebsinhaber und jede Führungskraft im Malerhandwerk.

Mappe: Welche Karrierewege werden im Malerhandwerk am häufigsten eingeschlagen, welche Rolle spielt das triale Studium?

Holger Jentz: Der häufigste Weg ist immer noch: Ausbildung, Geselle, Meister.Das triale Studium spielt im Malerhandwerk fast keine Rolle. Der Weg über das duale Studium und danach eventuell die Meisterausbildung ist der gängige Weg.

Mappe: Was bringen Anreize wie Auslandsaufenthalte, Digitalisierung um Azubis zu gewinnen, und welche Anreize bevorzugen Sie als Unternehmer persönlich?

Holger Jentz: Meiner Erfahrung nach ziehen zusätzliche Anreize nicht so, da die Azubis während ihrer Ausbildung sehr viel um die Ohren haben. In meinem Betrieb setze ich eher darauf, einem Bewerber aufzuzeigen, was aus ihm werden kann, wenn er bei uns eine Ausbildung beginnt, indem wir über die vielfältigen beruflichen Wege bisheriger Azubis berichten. Außerdem sind wir für unsere Azubis und Mitarbeiter auch außerhalb des Berufsalltags da, wir setzen auf das Familiäre und vermitteln von Anfang an ein Gefühl der Zugehörigkeit, des Respekts und der Wertschätzung.

 

Hier finden Sie ein Interview mit dem Ausbilder der Pilotstudenten und hier ein Interview dem ersten Studenten des dualen Studiengangs

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