Die Karriereleiter nach oben

Langsam dreht sich der Wind, immer mehr junge Menschen erkennen, dass nicht nur ein Studium in der üblichen Form zählt. Das duale Studium ist inzwischen hoch im Kurs. Dazu beigetragen haben die vielfältigen Bemühungen von Betrieben, Verbänden und Organisationen. Welche Karrierewege kann man im Malerhandwerk einschlagen?

Der aktuelle Berufsbildungsbericht zeigt, dass das Interesse der Studienberechtigten an einer dualen Berufsausbildung stetig gestiegen ist: Etwas mehr als die Hälfte eines Altersjahrgangs beginnt eine Ausbildung in einem der rund 330 nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) bzw. Handwerksordnung (HWO) anerkannten Ausbildungsberufe. Erstmals seit 2011 konnte dieses Jahr ein leichtes Plus bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnet werden. Doch noch immer fehlen Azubis, die Passung von Angebot und Nachfrage bleibt eine große Herausforderung. Seit 2009 hat sich die Zahl der Ausbildungsplätze, die nicht besetzen werden können, fast verdreifacht. Waren im Jahr 2009 noch 17.600 Ausbildungsstellen unbesetzt, fehlen 2017 bereits knapp 49.000 Auszubildende. Dem gegenüber stehen etwa 24.000 unversorgte Bewerber. Beim Beschluss des neuen Berufsbildungsberichts 2018 sagte Bildungsministerin Anja Karliczek: »Wir arbeiten entschlossen daran, die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung zu erreichen. Mit einer handfesten Ausbildung stehen jungen Menschen alle Türen zu einer guten Zukunft offen. Ich möchte, dass unsere Gesellschaft die vielfältigen Chancen in der beruflichen Bil- dung erkennt.«

Ungeahnte Karrierechancen

Auch wenn die duale Ausbildung in Deutschland ein Erfolgsmodell ist, sind zusätzliche Maßnahmen der Bundesregierung notwendig, um berufliche Bildung weiterzuentwickeln. Ein großer Schritt ist getan, in der Vergangenheit galt es, die Durchlässigkeit einer dualen Ausbildung in Richtung weiterer akademischer Bildung zu verbessern. Diese politische Aufgabe sei inzwischen abgearbeitet, so die Vertreter aus Politik und Wirtschaft während des Austauschs zur Ausbildungssituation in Deutschland. Problematischer sei es, dass die vorhandenen Möglichkeiten von Schülern und Eltern kaum wahrgenommen und somit nicht in die Karriereplanung miteinbezogen würden.

Auf das Image kommt es an

Damit Schulabgänger eine Karriere im Handwerk einschlagen, ist neben dem Wissen um die Karrieremöglichkeiten genauso entscheidend, welches Image der Beruf in ihrem Umfeld hat. Junge Erwachsene würden Berufe mit geringem Anerkennungspotenzial oftmals selbst dann ausschließen, wenn sie die damit verbundenen Tätigkeiten durchaus interessant finden. Besonders der Einfluss von Familie und Freunde sollte nicht unterschätzt werden, denn der Beruf ist eine wichtige Quelle für soziale Anerkennung und für die Entwicklung sozialer Identität. An einer Verbesserung des Images von Handwerksberufen arbeiten deshalb viele Organisationen, Verbände und Betriebe. Sie wollen zeigen, dass Handwerker kreativ, intelligent, zuverlässig und gebildet sind. Mit der Imagekampagne 2018 und dem Spot »Und? Was hast du heute gemacht?« stellt der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT) die sinnvollen, erfüllenden Tätigkeiten von Handwerkern dar.

Und? Was hast du heute gemacht? Spot Langversion. Das Handwerk.

Keine Herausforderung zu groß, kein Auftrag zu schwer. Das Handwerk ist zur Stelle, wenn es gebraucht wird. 💪🏻 🛠 Und? Was hast du heute gemacht? Wer Erfüllung sucht, ist im Handwerk richtig! Auf www.handwerk.de findet ihr mehr Infos zu spannenden Ausbildungen und zur Kampagne 2018.

Gepostet von Das Handwerk am Freitag, 16. Februar 2018

Maler am unteren Ende der Beliebtheitsskala

»Der Beruf des Maler und Lackierers rangiert im Ranking der Handwerksberufe am unteren Ende der Beliebtheitsskala«, lautet das Fazit der Autoren der Broschüre »Perspektive Handwerk ‒ Wie muss sich das Maler- und Lackiererhandwerk in Deutschland verändern?«. Gründe für diese kritische Haltung seien mangelndes gesellschaftliches Ansehen, die körperliche Belastung und ungenügende Informationen über Perspektiven und Karrierechancen. Letztere würden sich junge Menschen und deren Eltern zudem eher von einer akademischen Laufbahn versprechen. Die Autoren der Broschüre weißen darauf hin, dass diese Tendenz ohne einschneidende Veränderungen im Umgang mit dem Nachwuchs kaum gebremst werden kann. Konkret gehe es um die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität.

Ausbildungsanreize schaffen

Für junge Menschen kann ein Auslandsaufenthalt während ihrer Berufsausbildung Anreiz und Motivation sein und bringt neue Erkenntnisse und Erfahrungen, von denen auch der Betrieb profitiert. Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung ist im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für die Umsetzung des europäischen Bildungsprogramms Erasmus+ in der beruflichen Bildung und der Erwachsenenbildung zuständig.

Duales Studium im Maler- und Lackiererhandwerk

Auf www.duales-studium.de/unternehmen können Unternehmen gesucht werden, die ein duales Studium anbieten. Die Testanfrage ergab 15 Treffer für das Malerhandwerk. Darunter große Malerfirmen wie Heinrich Schmid, ARTA, Treibs, aber auch kleiner Betriebe. Die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main bietet seit 2014 in Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences den dualen Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen mit dem Abschluss »Bachelor of Engineering« in Verbindung mit der Ausbildung zum Maler und Lackierer an. Voraussetzung für den dualen Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen ist ein Fachabitur oder Abitur. Die Kooperation ist Teil der langfristig angelegten Ausbildungsoffensive der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Beginn der insgesamt 5-jährigen Ausbildung ist im Herbst. Die Regelstudienzeit für das gesamte Studium inklusive Ausbildung beträgt neun Semester und gliedert sich in zwei Abschnitte. Im ersten Abschnitt steht die gewerbliche Berufsausbildung als Maler und Lackierer in einem Ausbildungsbetrieb im Mittelpunkt. Dieser endet nach etwa 30 Monaten mit der Gesellenprüfung durch die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Parallel zur Lehre nehmen die Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr das Studium an der Frankfurt University of Applied Sciences auf. Nach Abschluss des Studiums haben die Absolventen die Möglichkeit, direkt in das Berufsleben einzusteigen, ein Masterstudium mit möglicher anschließender Promotion anzustreben oder sich zum Maler- und Lackierermeister weiterbilden zu lassen.

Pilotstudent wird gerade fertig

Auf Nachfrage bei der Innung berichtet Felix Diemerling, stellvertretender Obermeister & Geschäftsführer über aktuelle Entwicklung, dass diese sich unter dem Strich gut entwickle. »Die Abstimmung zwischen den Ausbildungspartnern klappt gut, die Rückmeldungen der Dualen Studenten sind durchweg positiv, die Betriebe unterstützen das Angebot sowieso. Mit der Philip-Holzmann-Schule haben wir einen zuverlässigen Kooperationspartner für die Vorbereitung der Studenten auf die theoretische Gesellenprüfung. Leider liegt der Fokus der hessischen Landespolitik nicht so sehr auf den dualen Studiengängen, wie z.B. in Baden-Württemberg. Hier würden wir uns noch mehr Bewegung wünschen.« Insgesamt gäbe es derzeit 12 Ausbildungsbetriebe, die einen dualen Studenten ausbilden oder ausgebildet haben fünf Betriebe bieten regelmäßig Stellen für Duale Studenten an. Insgesamt hätten sie 15 Duale Studenten. »Davon haben sechs abgebrochen, unser Pilotstudent Philip Hoffmann, der 2013 seine Ausbildung im Malerbetrieb der Eugen Hofmann GmbH, Frankfurt begonnen hat, wird dieses Jahr komplett fertig, drei weitere Teilnehmer haben die Gesellenprüfung bestanden und sind nun in der Vollzeitstudienphase. Entsprechend haben wir zur Zeit fünf Studenten in der ›Ausbildungsphase‹. Wenngleich wir uns noch mehr Teilnehmer wünschen, ist es doch erfreulich, dass wir bisher in jedem Ausbildungsjahr mindestens einen Teilnehmer hatten.

»Eine gute Wahl mit hervorragenden Zukunftsaussichten«

Die Mappe hat mit Philip Hoffmann, dem Pilotstudent für das Duale Studium der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main, gesprochen.

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Philip Hoffmann, der Pilotstudent des Dualen Studiums, wird bald fertig.

Mappe: Herr Hofmann, wie war die Zeit des dualen Studiums für ihn, war es sehr stressig?

Philip Hoffmann: Zu Beginn ja, da ich mich erst in das System mit dem Wechsel zwischen Hochschule und Ausbildung einarbeiten musste. Jedoch war das nach dem ersten Semester kein Problem mehr, da die vorgegeben Module an der Hochschule so angeboten wurden dass der Stundenplan gut auf das duale System zugeschnitten war.

Mappe: Wieviele Wochenende haben Sie in das Duale Studium investiert?

Philip Hoffmann: Während des Semesters fast gar kein Wochenende, in den Semesterferien bedeutend mehr um neben der regulären Ausbildung noch für Klausuren zu lernen.

Mappe: Was könnte anders, besser sein?

Philip Hoffmann: Ich war über das gesamte Studium mit dem Ablauf und der Betreuung sehr zufrieden. Meiner Meinung bedarf es keiner Veränderung.

Mappe: Wie sind Ihre Zukunftspläne?

Philip Hoffmann: Ich möchte mich weiterbilden durch ein Masterstudium und gegebenenfalls auch gerne noch den Meister machen.

Mappe: Welchen Rat haben Sie für Interessenten des dualen Studiums?

Philip Hofmann: Die Kombination Maler/Bauingenieur ist für alle eine gute Wahl, die Interesse an abwechslungsreichen Arbeiten und einem interessantem Studium haben. Man hat den Wechsel zwischen körperlicher und geistiger Betätigung, außerdem bieten beide Berufe hervorragende Zukunftsaussichten mit vielfältigen Betätigungsfeldern.

 

Hier finden Sie ein Interview mit dem Ausbilder der Pilotstudenten und hier ein Interview mit dem Vorsitzenden des Bildungsauschusses des Bundesverbands Farbe Gestaltung Bautenschutz.

Noch mehr spannende Ansätze zum Thema »Karriereweg im Handwerk« und »Zukunftsaussichten für Maler und Lackierer« lesen Sie im Brennpunkt der neuen Mappe 09/2018. Diese können Sie ab dem 1. September hier in unserem Shop kaufen oder abonnieren.