Dicke Luft

Transporter und Selbstzünder waren lange Zeit Synonyme. Die aktuelle Diskussion um drohende Fahrverbote in mehreren deutschen Städten ist nach jetzigem Stand zwar nicht das Ende des Diesels. Eines steht aber fest: Malermeister werden sich je nach Einsatzzweck vermehrt nach Alternativen umschauen – auch bei den bisher exotischen Elektro-Transportern.

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Die Diesel-Diskussion hält auch im Nutzfahrzeugbereich Einzug. Foto: Gabi Eder/pixelio.de

Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge sind in Deutschland längst nicht mehr auszuschließen. Betroffen wären außer Pkw auch leichte Nutzfahrzeuge, mit denen die meisten Malerbetriebe hierzulande täglich zu ihren Baustellen fahren. Die Diesel-Quote ist bei den Transportern in Deutschland besonders hoch, mehr als 90 Prozent der Wagen laufen hierzulande mit Selbstzünder. Die wenigsten davon erfüllen bereits die aktuelle Euro-6-Norm, die von Fahrverboten ausgenommen werden soll. Und selbst die Einhaltung der aktuellen Abgasnorm beinhaltet keine Garantie dafür, dass Maler auch künftig freie Fahrt haben werden: »Wir beobachten bereits jetzt, dass viele Betriebe sich beim Kauf von Neufahrzeugen zurückhalten«, sagt Peter Hellwich von der Fuhrpark- und Logistikberatung PHS aus dem bayerischen Germering.

Bislang steht auch noch gar nicht endgültig fest, ob und wann die ersten Städte Fahrverbote aussprechen. Am unmittelbarsten droht ein Ausschluss von Dieselfahrzeugen ab Anfang 2018 neben München derzeit in insgesamt 16 deutschen Städten, darunter in Stuttgart und Düsseldorf. Treibende Kraft hinter den möglichen Verboten ist die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Der Umweltschutz-Verein pocht auf die Einhaltung von Grenzwerten, die wiederum von der EU aus Brüssel stammen. Viele deutsche Städte überschreiten diese Grenzen seit vielen Jahren regelmäßig vor allem bei der Feinstaubbelastung, zuletzt drehte sich die Diskussion um zu hohe Stickoxidwerte.

Politisches Wirrwarr: Welche Euro-Norm ist sauber genug?

Bislang ist nicht eindeutig geklärt, für welche Diesel-Fahrverbote gelten sollen. Grundsätzlich lautet die Parole: Euro-6-Diesel dürfen rein, Diesel mit Euro 5 und schlechter müssen draußen bleiben. Ganz so einfach ist es dann aber auch wieder nicht. Für einige Diesel-Fahrzeuge mit der Norm Euro 5 bieten Hersteller derzeit die viel diskutierten Software-Updates an – ob die umgerüsteten Fahrzeuge dann von Fahrverboten ausgenommen wären, ist allerdings nicht absehbar. Zudem bieten Spezialisten Nachrüst-Anlagen für Euro-4-Modelle an – auch hier ist unklar, wie solche Fahrzeuge eingestuft würden. Die Deutsche Umwelthilfe plädiert dafür, sämtliche Diesel-Fahrzeuge auszusperren. Einzige Ausnahme: Euro-6-Diesel, die die vorgeschriebenen Grenzwerte nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch im Realbetrieb einhalten. Hintergrund: Ab Herbst gilt in Deutschland für neue Fahrzeugmodelle die Euronorm 6c und damit ein erweiterter Testzyklus. Ab 2020 gilt die Norm 6d, die die ausgestoßenen Abgasmengen zusätzlich auch im Betrieb auf der Straße misst. Stichproben von Auto-Experten haben ergeben, dass ein großer Teil der aktuellen Euro-6-Diesel-Fahrzeuge die künftig vorgeschriebenen Real-Grenzwerte nicht einhält. Einige Hersteller trimmen ihre kommenden Fahrzeugmodelle bereits auf die 6d-Norm – damit wären Dieselkäufer dann erst einmal auf der sicheren Seite.

Suche nach Alternativen

Unternehmer können auch überlegen, welche Alternativen es gibt. Der Experte glaubt, dass die Tage des Diesels als Allzweckwaffe gezählt sind, und dass Unternehmen künftig stattdessen einen breiten Mix von Antriebsarten auf dem Hof stehen haben werden. »Betriebe werden künftig genauer als bislang überlegen, welche Motorisierung sie bei ihren Transportern für welchen Einsatzzweck wählen«, ist Hellwich überzeugt. Viele Malermeister fahren unterm Strich nicht wirklich viel und kaufen den Diesel eher aus Gewohnheit. »Gerade in der Innenstadt mit vielen Kurzstrecken können Elektroautos und Benziner attraktiv sein«, sagt Hellwich. Generell gilt dabei: Je leichter das Fahrzeug, desto eher kommt ein Elektroantrieb in Frage. Hohes Gewicht kostet meist zu viel Reichweite, dann ist der Benziner erste Wahl.

Konzepte von Malerbetrieben

Malermeister Andreas Romanow aus der Gemeinde Gräfelfing am westlichen Stadtrand von München verzichtet deshalb auf Fahrzeuge mit Gasbetrieb, ersetzt einen seiner altersschwachen Diesel-Transporter mit einem Benziner und einen mit einem Elektro-Nissan. »Unsere Fahrzeuge sind alle mit gleichem Werkzeug und Material ausgerüstet und damit austauschbar. So haben wir für jeden Einsatz das richtige Fahrzeug«, sagt der Chef. Einer seiner Mitarbeiter hat den Elektro-Transporter mit ihm zusammen Probe gefahren und wird das Fahrzeug demnächst abends mit nach Hause nehmen und in der heimischen Garage laden. Romanow hat einen Zwischenzähler einbauen lassen, um die Stromkosten erstatten zu können. Die Reichweite schätzt er auf echte 150 Kilometer, mit eingeschalteter Klimaanlage oder im Winter rund 30 Kilometer weniger. »Man muss sich halt ein wenig darauf einstellen, aber das ist alles gut machbar«, sagt der Unternehmer. Seine Kunden-Runden rechnet Romanow bereits gewohnheitsmäßig vorher am Routenplaner durch und optimiert seine Termine so, dass er mit der Reichweite seines ESmart auf jeden Fall hinkommt.

Malermeister Martin Kett aus Wörth bei Regensburg geht noch einen Schritt weiter: Er hat bereits seit vielen Jahren eine Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Betriebs montiert und wird den selbst produzierten Strom künftig auch zum Betanken seines frisch bestellten Elektro-Transporters nutzen. Dafür schafft Kett gerade eigens einen Stromspeicher an. Schließlich produziert die PV-Anlage den meisten Strom tagsüber, wenn der Wagen unterwegs ist. Rund 15.000 Euro kostet der Akku samt Verkabelung, darin kann Kett Strom für bis zu zwei Fahrzeuge und den sonstigen Eigenverbrauch des Betriebs speichern. »Das relativiert langfristig die im Vergleich höheren Anschaffungskosten des Fahrzeugs«, sagt Kett. »Außerdem wird der Diesel auch irgendwann wieder deutlich teurer werden, als er heute ist.« 18 Firmenfahrzeuge hat Kett auf dem Hof stehen, außer den Pkw für die Büromitarbeiter sind es allesamt Diesel. Auch er ist bei der Wahl seines ersten Elektro-Transporters beim Nissan e-NV 200 gelandet, der im Herbst geliefert wird. Kett hat den Wagen bewusst inklusive Batterie gekauft und nicht geleast: »Wir nutzen unsere Fahrzeuge im Schnitt zwölf Jahre, solange will ich auch den Nissan fahren, um zu sehen, wie lang die Batterie durchhält«, sagt Kett. Knapp 24.000 Euro netto hat der e-Nissan nach Abzug von Händler-Rabatt und staatlicher E-Auto-Prämie gekostet. Für den Chef ein tragbarer Aufpreis, einen vergleichbaren Diesel taxiert er auf etwas unter 20.000 Euro. Für Diesel-Fahrverbote im nahe gelegenen Regensburg wäre er mit dem Elektro-Bulli jedenfalls gerüstet, auch wenn die dort bislang noch kein Thema sind.

Das Brennpunktthema rund um die Diesel-Diskussion haben wir in der aktuellen Ausgabe der Mappe ausführlich für Sie zusammengefasst. Außerdem erwarten Sie auf den Seiten 12 bis 18 eine tabellarische Übersicht über die momentan erhältlichen E-Transporter und eine Deutschlandkarte, auf der die Städte mit Diesel-Fahrverboten markiert sind.