Fassadenpreis 2014: die Preisträger

Weniger ist mehr – aber bitte in Farbe. Auf diesen Nenner lassen sich die völlig unterschiedlichen Fassadenfarbkonzepte bringen, die es bei der 23. Ausschreibung des Deutschen und der ersten Ausschreibung des Österreichischen Fassadenpreises auf die Siegertreppe geschafft haben.
Wie hochkarätig und eng es im Preisträgerfeld zuging, zeigt der Medaillenspiegel. Der Deutsche Fassadenpreis 2014 brachte fünf 1. Preise, sechs 2. Preise, drei 3. Preise und zwei Anerkennungen hervor. Der erstmalig verliehene Österreichische Fassadenpreis startete mit einem 1. und einem 2. Preis für die stilvolle Verwandlung von Gebäudehüllen.
Die Gewinner konnten sich über die bislang höchste Preisgeldsumme von insgesamt 23.255 Euro freuen. Jeder Gewinner erhielt zudem eine individuell erstellte Pressemappe mit Profi-Fotos seines Objekts und Pressetexten. Auf diesen Seiten stellen wir Ihnen alle Preisträger der sieben Kategorien vor.

Deutscher Fassadenpreis 2014: Wohn- und Geschäftshäuser

1. Preis
Geradeheraus mit luxuriösen Details

Die Farbauswahl ist entscheidend, da ist sich die Jury einig. Wenn dann noch die Einzelheiten zueinander passen, wird das beim Fassadenpreis meist belohnt: so wie bei einem neu gebauten Wohn- und Geschäftshaus in der Gapstraße in Traunstein, das die Baulücke nach dem Abriss des Vorgängergebäudes wieder bündig schließt. Ein angenehmer, leicht erdiger Braunton auf der Fassade paart sich hier mit markant dunklen Fensterelementen und dem zurückgesetzten Mansardgeschoss in Anthrazit. Für Aufsehen sorgt im wortwörtlichen Sinn die extravagante und doch subtile Gestaltung der Fensterbänder und Balkone ab dem zweiten Stock: Die alueloxierten Verkleidungen erhielten durch eine Schablonierung mit Metalleffektlack elegante, goldmessingfarbene Muster. Die hervorragende Balance zwischen Understatement und akzentuierender Veredelung gibt dem Gebäude Eigenständigkeit:

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»Das Bild dieser etwas anderen Fassade gliedert sich wunderbar in die Häuserzeile mit den kleinen Ladengeschäften ein«, befindet die Jury und vergibt den 1. Preis in der Kategorie Wohn- und Geschäftshäuser an die Verantwortlichen dieser prägnanten Arbeit: an den Malerbetrieb Huber aus Stein an der Traun für die präzise und feine Ausführung sowie an die Architekten Riedl Oestreich aus Traunstein für den bemerkenswerten Entwurf.

2. Preis
Schlicht und doch ergreifend

Acht zweigeschossige Wohnhäuser gleicher Bauart im Siedlungsgebiet Bölkeanger in Neuruppin zeigen, welche Ensemblewirkung ein kluges Farbkonzept erzielen kann. Bei der letzten Renovierung 2013 beschloss das Team aus der Bauherrin, der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft, und der Bauring Maler GmbH (ebenfalls Neuruppin), die Siedlung aus dem „Dornröschenschlaf“ zu holen, in den sie verfallen war. Das Ergebnis: Jedes der Gebäude wurde anders farbig gestrichen, die jeweiligen Farbtöne dabei aus dem Farbkanon der Entstehungszeit der Gebäude geliehen. Sie bewegen sich von entsättigten Blau- und Grüntönen über warmes Rot und Orange bis hin zu Beige- und Weißtönen. Die Raffinesse des Farbkonzepts zeigt sich in seiner Schlichtheit: Farbe wurde hier flächig über die gesamte Fassade gezogen. Lediglich die Laibungen der Fassadenöffnungen wurden mit jeweils anderen Farbtönen aus der vorher definierten Farbpalette abgesetzt – wie auch die Mauern, die die acht Gebäude verbinden.

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»Besonders an trüben Tagen zeigt sich die Großartigkeit des Farbeinsatzes«, urteilt das Preisgericht: »Die Gebäude bringen Farbe ins Straßenbild, ohne sich dabei schreiend in den Vordergrund zu drängen – Farbe at it’s best!« Die Jury des Deutschen Fassadenpreises zeichnet die Gestaltung des Straßenbildes mit dem 2. Platz in der Kategorie Wohn- und Geschäftshäuser aus. Die Prämierung geht zu gleichen Teilen an die Bauherrin und den ausführenden Malerbetrieb.

3. Preis
Maritime dritte Dimension für einen Plattenbau

Die Aussicht auf die Elbe vom Gebäude Regierungsstraße 37 a-e in Magdeburg war schon immer erstklassig. Dass nun auch die Ansicht des in Plattenbauweise errichteten, ehemals wenig charmanten Wohnblocks mit seinen 140 Einheiten ein Blickfang ist – dafür sorgt eine neue Fassadengestaltung, die im doppelten Sinne Wellen schlägt. Die Gebäudehülle des 120 Meter langen und acht Geschosse hohen Komplexes in bester Stadtlage wurde, seiner städtebaulichen Bedeutung als Solitär angemessen, in einer großen wellenförmigen Bewegung ausgeformt. Baulich leisten dies die neuen, geschwungenen Balkone aus thermisch entkoppelten Betonfertigteilen, die sich mit verglasten Loggien abwechseln. Farblich wird diese Wirkung durch die hellen, sandigen Beigetöne und das maritime Blau der Fassadenflächen unterstrichen. Zusammen mit der energetischen Ertüchtigung der Fassade entsteht so ein funktionell und ästhetisch harmonisches Ganzes, das die Jury des Deutschen Fassadenpreises 2014 mit einem 3. Platz in der Kategorie Wohn- und Geschäftshäuser würdigt.  Diese Platzierung prämiert die handwerkliche Leistung der H&M Putz- und Fassadenbau und den eindrucksvollen Entwurf von arc architekturconzept, beide aus Magdeburg.

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3. Preis
Arrangement für alle (Seh-)Sinne

Farbton, Oberflächenstruktur, Licht- und Schattenwirkung, Glanz oder Rauheit – das sind die wesentlichen Größen, die die visuelle Wahrnehmung bestimmen.  Vor Augen hatten dies mit Sicherheit die Gestalter der Generationenwohnanlage Wohnpark Bathilidis, die in Bad Pyrmont neu entstanden ist. Dreibund architekten aus Bochum und der Architekt Josef Freitag (Bad Pyrmont) planten ein streng geometrisches Ensemble, dessen spannungsvoller Ausdruck durch bauliche Details wie zurückgesetzte Staffelgeschosse, zurückspringende Balkonausschnitte und vorspringende, unregelmäßige Faschen an Fenster- und Türöffnungen komponiert wurde. Ebenso dezent wurden die Fassadensichtflächen von Joswieg Malerbetrieb GmbH aus Bielefeld gestaltet. Glattputz für die Faschen und Staffelgeschosse und Putz mit drei Millimeter Körnung für die Hauptflächen strukturieren die Fassade. Klassisches Weiß gibt den Ton an und wird lediglich an den Faschen und im Erdgeschoss von leichtem Grau unterbrochen. Zusammen wirkt all das leicht, offen und einladend – ganz im Sinne des Generationenwohnens, das in den fünf Mehrfamilien- und zwölf Einfamilienhäusern ermöglicht werden soll.

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Die Jury des Deutschen Fassadenpreises hebt »die sehr schlüssige Aussagekraft der Gesamtrealisation mit vielen liebevollen und prägnanten Details« hervor und verleiht einen weiteren 3. Preis in der Kategorie Wohn- und Geschäftshäuser an den Malerbetrieb und die beiden Architekturbüros.

 

Deutscher Fassadenpreis 2014: Öffentliche Gebäude

1. Preis
Formen, auch mit Farbe

In Berlin-Wilmersdorf ist auf äußerst beschränktem Raum eine Evangelische Grundschule nebst Sporthalle entstanden. Die Planer, Zoomarchitekten aus Berlin, entwarfen ein geradliniges Gebäude, das sich städtebaulich und stilistisch in die Bebauung aus den 1960er-Jahren einfügt. Erdgeschoss und die beiden Obergeschosse beherbergen Schul- und Sozialräume. Etwas zurückgesetzt schließt sich darüber über rund zwei Geschosshöhen die Sporthalle als weiterer Baukörper an. Das an sich massive Bauvolumen wird mit dem Architekturmittel Farbe gegliedert und gelungen proportioniert:  Die unteren drei Geschosse erhielten von den Malern der IHB Potsdam GmbH einen interessanten, erdverbundenen Anstrich in Rot-Braun. Das erzeugt eine angenehme Maßstäblichkeit im Straßenraum. Helles Grün markiert die Einschnitte im Erdgeschoss als Eingänge. So wird das Gebäude auf einfachste Weise lesbar und bietet die notwendige Orientierung, die sich auch im Inneren fortsetzt. Die Fassade der Sporthallengeschosse zeigt sich in  blassestem Flieder. Nachts jedoch leuchtet der Schwarm der unregelmäßig verteilten Fensterchen der Sporthalle wie Sterne.

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»Farbe wird hier maßstabgebend, tektonisch und poetisch eingesetzt«, urteilt die Jury, »sie manipuliert die Gebäudemasse visuell aufs Positivste.« Die verantwortlichen Maler und Architekten erhalten für diese feine Arbeit den 1. Preis in der Kategorie Öffentliche Gebäude.

2. Preis
Heiterer Kontrapunkt zu strengem Gebäuderaster

Die Kindertagesstätte St. Martinus in Bramsche hat sich in 2013 räumlich vergrößert. Zum Bestandsgebäude ist ein lichtdurchfluteter Essraum hinzugekommen, der als gläsernes Kopplungselement gestaltet worden ist. Daran schließt sich das ebenfalls neu erstellte Krippenhaus an. Dessen kubischer Baukörper ist alles andere als spektakulär – die Fassadendetails jedoch umso mehr. Das frische Grün der Gebäudehülle wird durch diagonale, im Putz als tiefliegendes Relief ausgebildete gelbe Streifen unterbrochen. So projiziert sich eine Makroaufnahme der umgebenden Begrünung mit Bambus stilisiert auf das Gebäude. Die Fenster werden durch Putzfelder in verschiedenen warmen Gelbtönen zu einem Band zusammengefasst. Ein frei stehendes Naturholzportal, in warmem Braun getönt wie auch die Fenster, markiert und betont den Eingang. All das bricht die strenge Gebäudegeometrie, wirkt fröhlich und spielerisch.

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»Hier ist auch mithilfe der Farbgestaltung eine »schon von außen einladende, kindergerechte Welt« geschaffen worden, so die Jury. Die Preisrichter zeichnen dieses Objekt in der Kategorie Öffentliche Gebäude mit dem 2. Preis aus und würdigen die Leistungen der Verantwortlichen: die Handwerksarbeit der Bill Maler- und Restauratorenwerkstätte aus Neuenkirchen und den Entwurf des Architekturbüros Mutert aus Bramsche.

Deutscher Fassadenpreis 2014: Industrie- und Gewerbebauten

1. Preis
Großartiger Wiedererkennungswert mit Botschaft

BEST ist die Kurzform für die Bottroper Entsorgung und Stadtreinigung – und nach Meinung der Jury auch das richtige Qualitätssiegel für die Ansicht des Neubaus, in den die Verwaltung des Unternehmens vor Kurzem eingezogen ist.  Die Planer der Stadt Bottrop aus dem Fachbereich Immobilienwirtschaft haben das Gebäude L-förmig konzipiert, im Wesentlichen mit Riegeln, die ineinandergeschoben wurden. Dass der Neubau mit erstaunlicher Leichtigkeit ins Stadtbild tritt, hat zwei Ursachen. Sie wurzeln in der Ausgestaltung des Baukörpers und seiner Fassadenausbildung: Der längere Gebäudekubus ist teilweise aufgeständert, schwebt dadurch förmlich, und die Geschosshöhen der Gebäudeteile variieren zwischen zwei und drei Stockwerken. Die Sichtflächen wurden in einer ebenso harmonischen wie abwechslungsreichen, intensiven Farb- und Materialsprache zum Klingen gebracht. Die Fassadenspezialisten des Baudienstleisters Hetzel Gruppe aus Essen beschichteten den WDVS-gedämmten dreigeschossigen Kubus mit lichtem Grün. Der kleinere Baukörper, verkleidet mit einer hinterlüfteten Fassade aus Faserzementplatten in hellem Grau, das sich nochmals am Treppenhaus des Dreigeschossers wiederholt, balanciert den Grünton aus. Zum kühlen Grau und dem neutralen Grün gesellen sich noch warme Töne als Akzente hinzu – in Form vom Braun des Lärchenholz-Sonnenschutzes am Erdgeschoss des großen Riegels und verschiedenen Orangetönen, mit denen die Flächen zwischen den Fenstern am kleinen Gebäude veredelt wurden.

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Die gesamte Farbgestaltung im Zusammenspiel mit der Architektur gibt »diesem Ensemble einen großartigen Wiedererkennungswert«, befindet die Jury und würdigt das Objekt und seine beiden Gestalter aus Handwerk und Architektur mit dem 1. Preis in der Kategorie Industrie- und Gewerbebauten.

2. Preis
Feine Verwandlung mit sachlichen Mitteln

Die Fassade des Karstadt-Kaufhauses auf der Frankfurter Zeil zeigte sich bis vor Kurzem mit einer typischen 1980er-Jahre-Ansicht: Zahlreiche dunkelbraune Vorbauten und Erker, kombiniert mit einer Aluminiumpaneel-Fassade in hellerem Braungrau. Das gesamte Gebäude wirkte so massiver als nötig und nicht mehr zeitgemäß. Im Zuge eines Komplettumbaus wurden auch an der Fassade mehr als kosmetische Eingriffe vorgenommen. Die Vorsprünge wurden zurückgebaut. Statt der schartenartig verteilten Fenster setzt nun ein einzelnes Glasband, fast fünf Meter hoch und über Eck gezogen, den einzigen baulichen Akzent in der ansonsten beruhigten Fassade. Der Clou an der horizontal (und damit die Höhe des Baukörpers relativierenden) Gestaltung ist die neue Farbfassung der Obergeschoss-Metallpaneele: Sie präsentieren sich nun in einem waagerechten Streifenmuster aus Weiß und Anthrazit, mit gleichmäßigen Streifenhöhen von 90 Zentimetern. Ungleich einladender, transparenter und moderner wirkt das Warenhaus mit dieser neuen Fassade.

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Hier wurde »eine höchst komplexe Bauaufgabe in einem heterogenen innerstädtischen Umfeld klar, sachlich und gestalterisch hervorragend gelöst«, urteilt die Jury des Deutschen Fassadenpreises. Ihr 2. Preis in der Kategorie Industrie- und Gewerbebauten würdigt damit den gelungenen Einsatz des Handwerksbetriebs, der Storck Ausbaugesellschaft aus Gelsenkirchen, und des Büros Heinrich Böll Architekt aus Essen.

 

Deutscher Fassadenpreis 2014: Sonderpreise

Farbe mit Magnetismus

Die prämierten farbigen Objekte befinden sich zwar in einem Raum, bilden jedoch die äußere Hülle von außergewöhnlichen »Forschungszellen« – im wahrsten Sinne des Wortes: Das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung hat am Standort Stuttgart-Büsnau ein neues Forschungszentrum bezogen, in dessen Versuchshalle Präzisionsexperimente durchgeführt werden. Wie die molekulare und atomare Struktur von Festkörpern ihre magnetischen, elektrischen oder mechanischen Eigenschaften beeinflusst, wird hier erforscht. Weil für den Erfolg der Untersuchungen entscheidend ist, dass die Umgebung keine störende Einflüsse auf die Versuche nimmt, wurden an das Gebäude hohe Anforderungen gestellt. Elf würfelförmige, hermetisch abgeschirmte, haushohe Versuchsboxen wurden in die fußballfeldgroße Halle eingebaut. In jeder findet ein anderes Experiment statt. Ihre Hüllen aus Trapezblech wurden mit riesigen weißen Zahlen durchnummeriert – gestalterisch schön und orientierend zweckmäßig jeweils über Eck. Im Fundamentbereich sind die Boxen weiß, darüber in kräftigen Lacktönen farbig beschichtet. So entwickelt sich ein kräftiges kubistisches Farbraumspiel, in dem Primär- und Sekundärfarben aufeinandertreffen. Damit werden nicht nur die einzelnen Boxen eindeutig gekennzeichnet – das intensive Farberlebnis wirkt auch positiv auf die Nutzer der tageslichtlosen Halle.

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Die Jury verleiht an dieses anziehend inspirierende, »kunterbunte Farb-Raumstilleben« einen Sonderpreis. Hürttle Anstrichtechnik und hammeskrause architekten, beide aus Stuttgart, können sich als seine Gestalter über diese Auszeichnung freuen.

Musik für die Augen

Die Grafikerin Gabriele Bruckmann vom Büro atmosphère aus Trier zeigt an einer Seitenwand der Karl-Berg-Musikschule in der alten Römerstadt, was ein Klangbild ist. Mit gemalten Elementen auf der Fassadenfläche und erhabenen Bestandteilen aus lackiertem Stahlblech hat sie Musik sichtbar gemacht. Die Komposition arrangiert Assoziationen an Klaviertasten und Taktstriche, kombiniert sie leicht mit Kreisen, schafft Tiefenwirkungen und erzeugt ein konstruktivistisch klug gestaltetes Gesamterlebnis. Zusammen mit dem edlen und hervorragend proportionierten Namensschriftzug der Schule erhalten die Einrichtung und ihr Anspruch durch dieses Wandbild eine wohltönende Stimme.

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Diese Qualität hebt die Jury des Deutschen Fassadenpreises ebenfalls bei der Designarbeit hervor: »Auch leise Töne, die sich in das Klangbild eines Stadtraumes einfügen, bereichern die Erfahrung und schaffen ein adäquates Außenbild der Musik.« Für dieses vorbildliche Beispiel einer Wandgestaltung, die ohne vordergründigen Illusionismus auskommt, gibt es einen weiteren Sonderpreis, der die Idee und perfekte Ausführung von Gabriele Bruckmann würdigt.

Deutscher Fassadenpreis 2014: Historische Gebäude und Stilfassaden

1. Preis
Bekenntnis zu Klarheit und Historie

Der Baustil der Bielefelder Altbauvilla erinnert an Entwürfe der Wiener Sezession vor rund 100 Jahren: Der Baukörper selbst, seine Bauelemente und seine Struktur bestechen durch grafische Klarheit. Den Gestaltern kommt der große Verdienst zu, die Qualitäten des Kleinods durch ein neues Farbkonzept noch weiter gesteigert zu haben. Historischer Bestand wie Fenster, Fensterläden, Türen und Ornamente wurden erhalten und aufwendig instandgesetzt. Von den graubraunen Dachziegeln wurden die Fassadenfarbtöne abgeleitet. Die Fassadenfläche erhielt einen sandfarbenen, mineralischen Anstrich. Davon setzen sich der Sockel und die Rankgitter in Graubraun ab. Dieser Ton wiederholt sich, etwas vergraut, in den Rahmen der Fensterläden, deren Füllungen jedoch strahlend weiß beschichtet wurden. Mit dieser Nuance wird die Brücke zu den weißen Sprossenfenstern und der Gestaltung des Wintergartens geschlagen. Alle Türen präsentieren sich nun in Schwarz. Das Ergebnis ist ein stimmiges Gesamtbild, das mit zurückhaltenden Mitteln erschaffen wurde.

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»Durch Beschränkung auf das Wesentliche wurde der Altbau auf bewundernswerte, weil sprechende Weise für das 21. Jahrhundert ertüchtigt«, kommentiert die Jury und vergibt einstimmig den 1. Preis an dieses Sanierungsprojekt. Die Firma Nattkemper & Brummel, der ausführende Malerbetrieb, und brewittarchitektur, beide aus Bielefeld, sind die verdienten Preisträger.

2. Preis
Einfach gelungen

Bis vor Kurzem ist dieses um 1900 im Allgäuer Stil erbaute Wohnhaus, das direkt an einer touristisch viel befahrenen Straße in Wangen-Neuravensburg liegt, ganz einfach übersehen worden. Grau in Grau duckte sich das Gebäude weg. Die neue Farbgestaltung macht nicht alles anders, aber dezent und in den entscheidenden Details schlicht besser. Die senkrechte Verbretterung der Obergeschosse wurde in zwei  frischen Grautönen belebt. Gesimsverdachungen, Fenster und Fensterbretter setzen sich in Weiß davon heiter ab. Der Putz des Erdgeschosses und des niedrigen Anbaus nimmt die Farbe der roten Dachziegel auf. Die Jury lobt diese zurückhaltende Farbgebung, die dem Objekt optimal gerecht wird, mit einem 2. Preis in der Kategorie Historische Gebäude und Stilfassaden. Er geht an die Firma Richard Ebert Maler und Gerüstbau aus Wangen, von der Idee und Ausführung stammen.

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2. Preis
Farblich dezent mit liebevollen Details

Vom Armenhaus zum Wohnhaus, von einem ruinenhaften, von Holzbock, Holzwurm und Feuer malträtierten Fachwerkgebäude zu einem denkmalgerecht sanierten Schmuckstück: Das mit einem 2. Preis ausgezeichnete Objekt aus Ilsenburg im Harz, erbaut um 1700, ist ein Beispiel für überaus ambitionierte Arbeit mit Augenmaß und Sinn für Geschichte. Akribisch wurden noch vorhandene Bauelemente instandgesetzt, nach historischem Baumaterial gefahndet und sogar darauf geachtet, Spuren der Zeit wie z. B. Ausflugslöcher von Insekten oder Abbund- und Zimmerzeichen im Holz ablesbar zu erhalten. Auch beim Farbkonzept wurde akribisch vorgegangen. Befunde und regionale Farbgebung flossen in den Entwurf ein. Das erste, zu kontrastreiche Konzept mit schwarzer Balkenbeschichtung wurde nach Bemusterung verworfen. Heute zeigt sich das Haus in einem mittleren Grau für das Balkenwerk, einem hellen Grau für die Gefache und dem der historischen Farbgebung nachempfundenen Kupferbraun für die Tür- und Fensterbekleidungen. Bps- Ingenieurbüro Thomas Eckert aus Ilsenburg hat dieses Projekt geplant und umgesetzt. Die Würdigung mit einem 2. Preis in dieser Kategorie geht an ihn.

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3. Preis
Farbe macht Schule

Der dreigeschossige, dreiflügelige Schulbau wurde 1908 in neobarockem Stil errichtet, steht an einer exponierten Kreuzung und ist von drei Himmelsrichtungen gut einsehbar. Seit 2005 ist das Bauwerk in der Denkmalliste eingetragen. Der letzte Anstrich aus den 1950er-Jahren in sehr dunklem Grau gab dem Gebäude eine äußerst düstere Anmutung und daran änderten auch die in Weiß gefassten Gliederungen und Ornamente nichts. Im Gegenteil – die Schmuckelemente wirkten durch den extremen Farbkontrast wie aufgeklebt. Zusammen mit Vertretern der Schule, der Bauverwaltung, des Stadtrats, des Denkmalamts sowie des ausführenden Betriebs wurde die neue Farbfassung festgelegt. Jetzt korrespondiert der feine hellgraue Grundton der Fassadenputzflächen, der Pilaster und Gesimse mit den Rustika-Quadersteinen, mit denen das Souterraingeschoss verkleidet ist, und der schieferfarbenen Dacheindeckung. Davon setzten sich die Brüstungsfelder in Weiß ab. Stuckornamente wurden jeweils in hellem Grau oder Weiß akzentuiert, immer entgegengesetzt zur Hintergrundfarbe. Nobel und freundlich wirkt die Lehranstalt jetzt: Die Gebäudeaufwertung mit Mitteln der Farbgestaltung ist gelungen. So sieht es die Jury des Deutschen Fassadenpreises und vergibt dafür einen 3. Preis in der Kategorie Historische Gebäude und Stilfassaden. Preisträger sind der Malerbetrieb Pocholeck aus Recklinghausen und die Bauherrin, die Stadt Recklinghausen.

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Deutscher Fassadenpreis 2014: WDVS-Fassaden

1. Preis
Qualifizierter Mut zu dunklen Tönen

Klinker faszinieren durch ihr Farbenspiel. Bei der Fassadenneugestaltung einer Hamburger Wohnanlage in der Düpheid aus drei viergeschossigen L-förmigen Gebäuden und einem Riegel gaben die Klinkerflächen zudem den Ton vor für die Farbgestaltung der neuen Putzflächen auf WDVS: Aus dem Spektrum der fast schwarzblauen Bestandsklinker wurden mit einem dunklen Rostrot, einem gesättigten Lila und einem tiefen Ultramarinblau drei extrem mutige, dunkle Farben ausgewählt. Solche dunklen, aussagekräftigen Farbtöne sind dank neuer Technologien heute auf WDVS umsetzbar. Die Farbflächen akzentuieren die schlichten Baukörper von 1964 einprägsam, ohne sie zu überfordern: Den farbigen Flächen sind gut proportionierte weiße Flächen im Bereich der Balkone beigesellt. Auch die Fenster zeigen sich in Weiß. Zusammen mit den Klinkerflächen und dem Kupfer der Balkonbrüstungen und Fallrohre ergibt sich so eine spannungsvolle, stimmige Aussage. Die Jury des Deutschen Fassadenpreises hebt den »starken neuen farbigen Auftritt« nach dieser energetischen Modernisierung hervor und zeichnet diese Wohnhäuser der Baugenossenschaft der Buchdrucker eG mit dem 1. Preis in der Kategorie WDVS-Fassaden aus. Er würdigt die Leistungen von Preusse Baubetriebe und der Architekten Augustin & Sawallich, beide aus Hamburg.

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2. Preis
Neue Aussage

Neun Geschosse Klinkerfassade, nur unterbrochen von grauweißen Balkonbrüstungen und weißen Fensterrahmen, und das Ganze mal vier: So stellte sich das Hochhaus-Ensemble an der Hamburger Ueckerstraße vor der Sanierung dar. Wirken Ziegelsichtflächen bei niedrigeren Gebäuden angenehm organisch, so entsteht bei solchen Bauhöhen und Gebäudevolumina ein extrem massiger, klotziger Eindruck. Teil des umfassenden Sanierungskonzepts – von der energetischen Sanierung über die Neuordnung der Eingangssituation bis zu seniorengerechten Umbauten – war es, die Hochhäuser freundlicher wirken zu lassen und so den Standort nachhaltig aufzuwerten. Gelungen ist dies mit einem Farbkonzept, das die Farbverhältnisse im Wesentlichen umdreht: Die WDVS-gedämmten Fassaden strahlen jetzt in Weiß als Leitfarbe. Dann wurde so durchdacht wie großzügig mit von Klinkerfarben inspirierten Nuancen akzentuiert: Ein Grünbeigeton, ein dunkles Braun und ein warmes Rot rastern die Fassade an Balkonbrüstungen und Fensterfeldern in drei Senkrechten. Die Balkone eines jeweils zurückgesetzten Gebäudeteils sind abwechselnd in den Akzentfarben gestaltet. Waagerechte Bänderungen an den Fenstern proportionieren die Fassade mit ihrer konsequenten Linienführung. Auch der erweiterte Eingangsbereich wird durch die unterstützende Farbgestaltung jetzt viel besser ablesbar als zuvor.

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Die gut abgestimmte Farbwahl und -gestaltung »gibt den Gebäuden eine Persönlichkeit«, fasst die Jury zusammen. Über den 2. Preis in der Kategorie WDVS-Fassaden können sich gleich drei Beteiligte freuen: die Firma GEBOTherm für die Ausführung, ORP Architekten für die Planung und der Bauherr, der Bauverein der Elbgemeinden eG, alle aus Hamburg.

Anerkennung
Skulptur zum Wohnen

Das neu erbaute, gedämmte Mehrfamilienhaus im Areal der Galopprennbahn Dresden geht mit seiner markanten Formensprache auf die in den 1930er-Jahren entstandene Umgebungsbebauung ein. Mit seiner kontrastreichen Farbkombination setzt es Zeichen. Dunkles Graubraun und strahlendes Weiß definieren die Fassadenflächen und Einschnitte des polygonalen Gebäudes, das hierdurch zu einer spannenden urbanen Skulptur wird. Der einfache und zurückhaltende, aber sehr wirkungsvolle architektonische Einsatz von Farbe wird von der Jury mit einer Anerkennung belohnt. Die Firma Fira Fassaden Spezialtechnik erhält die Auszeichnung zusammen mit Leinert Lorenz Architekten, beide aus Dresden.

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Anerkennung
Sorgfältige Nachempfindung der Ursprungsfassade

Die U-förmige Hamburger Blockrandbebauung im Buchsbaumweg, in den frühen 1930er-Jahren mit Backsteinfassaden gestaltet, wurde mit einem WDV-System auf den heutigen energetischen Standard gebracht. Die Neugestaltung der Straßenfassaden hält sich dennoch eng an das ursprüngliche Konzept aus der Entstehungszeit: Keramische Flachverblendriemchen, deren Farbton dem historischen Befund nachgebildet sind, sowie akzentuierte Gebäudeecken, Erker und vorgezogene Mauerschichten erinnern ebenso an den ursprünglichen Zustand wie Gesimse und Sprossen der neuen, eingebauten Fenster. Lediglich die Ladenflächen und Innenhoffassaden wurden mit geputzten Oberflächen vom übrigen Ensemble abgesetzt.

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Nach Auffassung der Jury verdient vor allem »die Nachempfindung der ursprünglichen Straßenfronten im Zuge einer WDVS-Fassadensanierung« eine Anerkennung. Sie prämiert die Leistungen der AFB Fassadendämmung + Malereibetrieb GmbH sowie den Architekten neumann + partner, beide ortsansässig in der Hansestadt.

 

1. Österreichischer Fassadenpreis

1. Preis
Nobel veredelt

Reichenau an der Rax, eine Bahnstunde von Wien entfernt gelegen,  war der Urlaubsort des letzten Kaisers von Österreich. Nachvollziehbar: In diesem Luftkurort mischt sich die Naturschönheit der Wiener Alpen mit imperialem Flair. Eine Zeitzeugin dieser kaiserlich-königlichen Zeit ist die im Privatbesitz befindliche »Villa Anna«. Dem Baujuwel aus dem 19. Jahrhundert sieht man sein Alter nicht an: 2013 wurde es aufwendig, zum Teil in Originalfarbtönen, renoviert und neu gestaltet. Putzflächen und reich geschmücktes Holzwerk profitieren von einem wohlabgestimmten Entwurf: Die Fassadenflächen wurden in Schönbrunngelb beschichtet, Gesimse und Fensterumrahmungen dagegen in gebrochenem Weiß abgesetzt. Die Alt-Wiener-Kastenfenster erhielten eine zweifarbige Optik in Weiß für die Fensterflügel und Dunkelgrün für die Stöcke. Ebenfalls dunkelgrün wurden die Balkone, Veranda, Dachunterzüge, Giebelverkleidungen und Dachrinnen gestrichen. Dass sich Zierrat und Balkongitter in gebrochenem Weiß zeigen, lockert die Villenansicht auf. Für diese so stilvolle wie durchdachte Farbfassung erhält den 1. Preis des Österreichischen Fassadenpreises 2014 der Betrieb, der für Entwurf und Ausführung dieser Arbeit steht: die Firma Maler & Anstreicher Belle Arti aus Wien.

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2. Preis
Feines Farbgefühl für prestigeträchtigen Bau

In die österreichische Hauptstadt selbst, an den Regierungssitz des österreichischen Bundespräsidenten, geht der 2. Preis. Prämiert wird die Fassadengestaltung des »Leopoldinischen Trakts«, eines Gebäudeteiles der Wiener Hofburg. Kaiser Leopold I. ließ den Flügel ab 1660 in frühbarockem Stil nach dem Vorbild der Münchener Residenz gestalten. Die 29-achsige, risalitfreie Südfront des viergeschossigen Baus verzichtet auf bauliche Akzentuierungen, ist aber reich gegliedert. Die neue Farbgestaltung setzt auf eine zweifarbige Ton-in-Ton-Harmonie, die Leichtigkeit und Offenheit signalisiert. Ein gebrochener, warmer Weißton und ein federleichtes Grau bilden die Palette. Erhabene Bauteile wie Lisenen, Gesimse und das Rustikaband des Sockels wurden im dunkleren Farbton, die tiefer liegenden Putzfelder und Ornamente in der helleren Nuance beschichtet. So wird das Gliederungsrelief sehr dezent herausgearbeitet, ohne dominant zu wirken. Die Auszeichnung für diese Arbeit vergibt die Jury an die beiden beteiligten Wiener Handwerksbetriebe: die Firma REKO Beschichtungstechnik und das Bauunternehmen Pittel + Brausewetter.

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Bilder: Brillux