Der Brexit und das Malerhandwerk

Großbritannien hat sich für den Brexit entschieden. Die Briten wollen raus aus der Europäischen Union. Seit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses am Freitag suchen viele Betroffene nach Möglichkeiten, den Ausstieg zu vermeiden. Andere hingegen möchten Verzögerungstaktiken vermeiden und forcieren den Ausstieg. Es ist offen, wie die nächsten Entscheidungen in der Sache aussehen. Aber damit müssen wir rechnen: Die Entscheidung Großbritanniens für einen Ausstieg dürfte sich auch im Handwerk widerspiegeln.

Wie kann sich ein Brexit von Großbritannien auf das Malerhandwerk auswirken?

Der internationale Verband der Malerbetriebe (UNIEP) mit Sitz in Brüssel vertritt mit seinen nationalen Mitgliedsverbänden das Maler- und Lackiererhandwerk in Europa und ist das  internationale Sprachrohr für professionelle Maler in Europa. Der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz ist Mitglied der UNIEP.  Die Mappe sprach mit KommR Helmut Schulz aus Österreich. Er ist seit März dieses Jahres UNIEP Präsident und Präsident der Österreichischen Bundesinnung der Maler und Tapezierer. Weiterhin fragten wir Malermeister Claudius Wolfrum aus München als neuen Vertreter des deutschen Malerhandwerks in der UNIEP nach seiner Einschätzung. Er ist auch Mitglied im Verwaltungsrat der Organisation.

Brexit-Malerhandwerk

Welche Veränderungen sehen Sie auf das deutsche Maler- und Lackiererhandwerk durch den Brexit zukommen?

Helmut Schulz: Konkrete Effekte und Auswirkungen kann man erst im Laufe und vor allem erst nach Abschluss der Austrittsverhandlungen abschätzen. Es ist zu hoffen, dass die Liberalisierungsbestrebungen auf das europäische Festland und im Besonderen das deutsche Handwerk nachlassen.

Wie sich der Brexit auf zukünftige Aufträge von englischen Auftraggebern auf das Malerhandwerk auswirkt, kann ebenfalls erst auf Grund der Ergebnisse der Austrittsverhandlungen abgeschätzt werden. Aber es ist jedenfalls anzunehmen, dass laut  Prognosen auf Grund sinkender Investitionen und der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in United Kingdom (UK) es zu einem Rückgang an Aufträgen an Festland–Europäische Handwerksunternehmen kommt.

Claudius Wolfrum: Ich sehe im Moment kaum Veränderungen, da das deutsche Maler- und Lackiererhandwerk in seiner großen Mehrheit regional und lokal ausgerichtet ist. Eventuell könnte es in Zukunft bei der Lieferung von Farben und Tapeten aus Großbritannien zu Veränderungen kommen. Aber dies hängt entscheidend von der Ausgestaltung der Verträge zwischen der EU, den EU-Staaten und Großbritannien zusammen.

Welche handwerkspolitischen Ziele und Maßnahmen erachten Sie im europäischen Malerverband UNIEP als sinnvoll, um negative Auswirkungen abzuwenden?

Helmut Schulz: Es ist sicher notwendig die Wichtigkeit des Exportanteils des europäischen Festland-Handwerks nach UK zu betonen und in die Austrittsverhandlungen einfließen zu lassen und für die Zukunft auch abzusichern.

Um als UNIEP die Gesprächsbasis mit den Kollegen des Englischen Malerhandwerks auch für die Zukunft abzusichern, sind wir bestrebt den Englischen Malerverband als Mitglied in der UNIEP zu erhalten. Die Mitgliedschaft des jeweiligen Landes bei der Europäischen Union ist keine Voraussetzung für eine Teilnahme eines Malerverbandes als Mitglied der UNIEP. Als Beispiel wäre der Verband der Schweizer Maler zu nennen, der Mitglied bei der UNIEP, aber die Schweiz kein EU Mitgliedsland ist. Auch die Malerverbände aus Norwegen und Kanada waren viele Jahre Mitglieder der UNIEP. Wir werden jedenfalls in den nächsten Tagen mit dem englischen Verband Gespräche dazu führen, in der Hoffnung die englischen Maler als Mitglieder zu erhalten.

Mappe: Vielen Dank für Ihre derzeitige Einschätzung.

Über die UNIEP: Der Verband vertritt derzeit 14 Länder. In der Europäischen Union beschäftigen rund 165.000 Malerunternehmen mehr als 1,5 Millionen professionelle Maler und UNIEP ist der einzige Berufsverband, welcher sie vertritt. Mehr Informationen unter www.uniep.org.

 

Foto: pixabay/Elionas2