Das wollen Azubis wirklich

Motivierte Auszubildende zu finden ist in Gegenwart und Zukunft die vielleicht größte Herausforderung des Maler- und Stuckateurhandwerks: Berufe, die zwar viel bieten, aber Probleme damit haben, ihre Botschaft an die Zielgruppe zu transportieren. Unser Kolumnist plädiert für eine positive, offene Ansprache.

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Unser Mappe-Kolumnist Udo Herrmann hat herausgefunden, was Azubis von ihrem Arbeitgeber wollen.

Schlägt man die Stellenanzeigen in der Tageszeitung auf, stößt man auf jede Menge 08/15-Anzeigen »Wir suchen: engagierte, flexible, sympathische, motivierte, pünktliche, höfliche, kontaktfreudige, selbstbewusste, loyale, belastbare Interessenten mit erstklassigen Noten und der Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen.« Würden Sie sich trauen, sich hier zu bewerben? Ich sicher nicht. Bei diesen Anforderungen muss man sich nicht wundern, wenn kein Bewerber anruft und um einen Vorstellungstermin bittet.

Wer den perfekten Mitarbeiter sucht, kann lange warten

Kein Mensch, schon gar nicht ein Jugendlicher, fühlt sich solch einer beschriebenen Aufgabe gewachsen. »Das kann ich nicht alles!«, »Das schaffe ich nie!«, »Diese Erwartung kann ich beim besten Willen nicht erfüllen!«. Diese Gedanken schießen einem unweigerlich durch den Kopf, während man solch ein Stellenangebot überfliegt. Meine ersten Stellenanzeigen bei der Suche nach einem guten Azubi waren ähnlich formuliert und mit denselben Schlagwörtern gespickt. Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, die Jugendlichen selbst zu fragen, was sie von einem Ausbildungsplatz erwarten.

Die Zielgruppe fragen

Folgende Fragen habe ich gestellt: Wie muss für dich der perfekte Ausbildungsbetrieb aussehen? Was muss er dir bieten? In welcher Firma würdest du dich engagieren? Die Antworten haben mich sehr überrascht. Hier einige Beispiele: »Ich möchte mich im Team wohlfühlen«, »Ich möchte keine Hilfsjobs machen und den ganzen Tag nur kehren. Sondern ich will richtig mitarbeiten«, »Es wäre toll, wenn ich Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe nicht selbst bezahlen muss, sondern diese kostenlos bekomme«, »Ich möchte mein eigenes Werkzeug am Arbeitsplatz«, »Wenn ich zum Training gehen will, möchte ich pünktlich Feierabend haben«, »Wenn ich Mist baue, wäre es gut, wenn der Fehler in Ruhe besprochen wird, um daraus zu lernen«, »Ich möchte das Gefühl haben, dass meine Arbeit auch wichtig ist. Nicht nur an etwas rumfeilen, das am Ende weggeschmissen wird«. Keine einzige Antwort drehte sich um das Thema Geld oder Ausbildungsvergütung.

Worauf es ankommt

Es scheint wirklich so zu sein, dass es für die Jugendlichen wichtiger ist, etwas zu sein, als viel zu haben. Das hatte ich ganz anders eingeschätzt. Auf das Geld angesprochen erhielt ich die Antwort: »Klar, ich will schon gutes Geld verdienen, aber wenn alles passt, dann bin ich auch mit ein paar Euros weniger zufrieden.« Diese Gespräche haben mich auf die Idee gebracht, eine Stellenanzeige in einem anderen Stil als bisher zu formulieren ‒ sie sollte sich ganz an den Wünschen der jungen Menschen orientieren. Den Textentwurf habe ich dann den Schülern einer Abschlussklasse gezeigt. Die Schüler waren begeistert und sagten: »Echt das gibt‘s bei Euch? Das ist ja super!«

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Perspektivenwechsel: So könnte eine Stellenanzeige aussehen, die sich Jugendliche von einem Arbeitgeber wünschen.