Das Handwerk der Zukunft

Mittelstand und Handwerk sind die tragenden Säulen der deutschen Volkswirtschaft. Doch insbesondere das Handwerk hat mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Der Wettbewerbsdruck ist hoch und es wird immer schwieriger, Fachpersonal zu finden. Die »Trendstudie Handwerk« von Prognos AG und Sto SE beleuchtet die aktuelle Situation und zeigt, wie Handwerker sich in Zukunft aufstellen müssen, um erfolgreich zu bleiben.

Mittelstand_Handwerk

Das Handwerk macht einen ganz erheblichen Teil des Mittelstandes aus. Es stellt mehr als eine Million Betriebe mit 5,3 Millionen Beschäftigten. Sie erwirtschaften sie aktuell 533 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Die Zahl der Angestellten ist in den vergangenen zehn Jahren sogar gewachsen. Und auch wenn es heute weniger Handwerkslehrlinge gibt als vor 20 Jahren, gehört das Handwerk mit mehr als 380.000 Auszubildenden in 130 Berufen immer noch zu den wichtigsten Ausbildern des Landes.

Strukturwandel:  Reihenweise Herausforderungen

Vor allem die kleinsten Handwerksunternehmen haben es nicht leicht: Das Handwerk gilt generell als stark konjunkturabhängig. So sinken seine Umsätze stets deutlich, wenn die Wirtschaft insgesamt auf Talfahrt geht. Hinzu kommen strukturelle Probleme. Typische Handwerksbetriebe mit zwei bis neun Mitarbeitern bekommen aus zwei Richtungen Konkurrenz, haben die Prognos-Forscher ermittelt: Bei einfachen handwerklichen Tätigkeiten machen ihnen immer öfter Ein-Personen-Unternehmen Kunden streitig. Bei komplexen Handwerksleistungen aus einer Hand sind große Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern im Vorteil. Die Zahl der Solo-Selbstständigen im Handwerk nimmt seit Mitte der 1990er Jahre stark zu. Dagegen sinkt die Zahl der mittelgroßen Betriebe mit zwei bis neun Beschäftigten ständig. Durch Fusionen und Übernahmen sind Handwerksbetriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern von der Ausnahme zur Regel geworden. Diese Großhandwerker, zum Teil nur noch schwer von der Industrie zu unterscheiden, sind professioneller geführt, nicht selten von einem Inhaber mit Meisterbrief und zusätzlichem Universitätsabschluss. Sie können mit einem breiteren Leistungsangebot aufwarten und sind oft rentabler als kleine Betriebe.

Problem des Fachkräftemangels

Große Handwerksunternehmen leiden auch weniger unter dem Fachkräftemangel als kleine Firmen. Dabei sind Nachwuchssorgen eines der drängendsten Probleme für Handwerker, denn es gibt immer weniger Interessenten für Ausbildungsplätze, vor allem auf dem Land. Neue, zweijährige Ausbildungsgänge wie der »Bauten- und Objektbeschichter« sollen Abhilfe schaffen. Doch Handwerker müssen sich in Zukunft auch selbst stärker darum bemühen, dass man sie als attraktive Arbeitgeber wahrnimmt. Es wird unumgänglich sein, potenzielle Bewerber in anderen Zielgruppen als bisher zu suchen: Etwa unter Schulabbrechern und Zuwanderern. Der Anteil familieninterner Nachfolgen ist ebenfalls rückläufig und liegt inzwischen nur noch bei 48 Prozent. Damit Betriebe nicht schließen, müssen Alternativen her: Die Prognos-Experten vermuten, dass strategisch orientierte, große Handwerksbetriebe in Zukunft häufiger auch Unternehmen kaufen, die zur Nachfolge anstehen. Das dürfte den Trend zum Großbetrieb weiter verstärken.

Konkurrenz von nah und fern

Gewerbliche Kunden wünschen sich alle Leistungen aus einer Hand, und das können selbst große Handwerksbetriebe selten alleine gewährleisten. Das führt gerade im Objektbereich dazu, dass traditionelle Handwerker wegen des enormen Preisdrucks vom Markt gedrängt werden – nicht zuletzt, weil sie es nach der Einführung des Mindestlohns mit noch mehr Solo-Selbständigen zu tun haben. Die Wirtschaftsforscher empfehlen Fachhandwerkern, sich angesichts der neuen Konkurrenz stärker auf ihre Kernkompetenzen zu besinnen und sich mit dem Thema Qualität zu positionieren. Zum Beispiel im Hinblick auf die langen Subunternehmerketten. Diese bringen nämlich häufig Kommunikationsprobleme zwischen den beteiligten Betrieben mit sich, worunter die Qualität der Arbeit leidet.

Fazit: Strategisch, qualitätsbewusst, spezialisiert

Folgt man der Prognos-Studie, sollten Malerbetriebe sich kritisch fragen, wie sie in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben können. Bei den Betriebsgrößen findet eine Polarisierung statt: Große Betriebe können ihre Produkte standardisieren und gewinnen so Kostenvorteile. Sie treten als Generalunternehmer auf, bieten alle Leistungen für den Kunden aus einer Hand. Kleinere Betriebe dagegen müssen sich mit komplexen Leistungen in Nischen spezialisieren, um als Subunternehmer erfolgreich zu sein. Oder sie schließen sich mit anderen Unternehmen zusammen, um über Kooperationen gegen die großen Generalunternehmer zu bestehen. Neue Wettbewerber zwingen Traditionsbetriebe in jedem Fall, noch stärker auf das Thema Qualitätssicherung zu achten.

Lesen Sie in der Oktober-Ausgabe der Mappe den ausführlichen Beitrag zur Prognos-Studie.

 

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