BIM me up

BIM ist in aller Munde. Aber wofür steht dieser Begriff? Wie weit ist diese Technologie heute? Welche Auswirkungen hat sie auf das Bauen und Betreiben von Immobilien? Und: Was ändert sich für das Malerhandwerk? Fragen, denen wir in der Brennpunkt-Geschichte unserer Februarausgabe 2018 nachgehen.

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Building Information Modeling (BIM) bedeutet übersetzt etwa »Bauwerksdatenmodellierung«.

Building Information Modeling (BIM), was übersetzt etwa »Bauwerksdatenmodellierung« bedeutet, ist keine Software. Der Begriff ist vielschichtig und wird häufig sowohl als Synonym für das digitale Gebäudemodell als auch für eine bestimmte Planungsmethode verwendet. Letztere dient der Erstellung, Koordination und Übergabe konsistenter, für alle Beteiligten zugänglicher  digitaler Gebäudemodelle, in der alle planungs-, ausführungs- und nutzungsrelevante Bauwerksinformationen abgelegt sind. Damit lässt sich der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerks abbilden – von der Konzeption über die Konstruktion, Erstellung und Wartung bis zum Rückbau. Nach der BIM-Methode wurden und werden inzwischen in den USA, in Asien, im Nahen Osten oder in
Nordeuropa zahlreiche Projekte realisiert. Auch das Europäische Parlament, die deutsche Reformkommission für Großprojekte oder die deutsche Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens (planen-bauen 4.0) unterstützen und forcieren BIM. Diese Aktivitäten und aktuelle Standardisierungsbestrebungen nach CEN, ISO, DIN und VDI werden BIM mittel- und langfristig auch hierzulande zu einem Standard machen. Erst digital, dann real bauen

Die neue Planungsmethode verspricht zahlreiche Vorteile

BIM soll Medienbrüche und zeitraubende Mehrfacheingaben vermeiden, Arbeitsabläufe sollen effizienter, die Produktivität und Planungsqualität verbessert werden. Projekte sollen sich einfacher statisch, haustechnisch, bauphysikalisch und energetisch optimieren oder gewerkübergreifend auf Kollisionen überprüfen lassen. Da der Detaillierungsgrad des dreidimensionalen
BIM-Gebäudemodells mit dem Planungs- und später auch Bau- und Montagefortschritt sukzessive zunimmt, kann man es vielfältig nutzen und beispielsweise nach Mengen-, Kosten-, Material-, Ressourcen oder Zeitkriterien auswerten. Auf diese Weise entsteht im Idealfall eine umfassende Informationsgrundlage für die Planung, Realisierung, aber auch für die zeitlich längste Phase – die Gebäudenutzung. BIM ist mittlerweile in vielen Bausparten präsent – im Hoch- und Tiefbau ebenso wie im Massiv-, Betonfertigteil-, Stahl- oder Holzbau. Zahlreiche Programme orientieren
sich am BIM-Standard – Software für die Architektur-, Statik- und Haustechnikplanung ebenso wie Programme für die Kostenplanung und -steuerung, für die Bauzeiten und Ressourcenplanung, für statische, haustechnische, bauphysikalische oder energetische Berechnungen.
Wird das dreidimensionale BIM-Modell um die vierte Dimension »Zeit« erweitert, kann sogar der geplante Bauablauf visualisiert und simuliert werden. Die 5D-Simulation berücksichtigt gar neben dem 3D-Gebäudemodell und der Zeit auch Baukosten, Material und Ressourcen, wie etwa Baustoffe, Maschinen, Fahrzeuge oder das Personal. Damit lassen sich neben geometrischen
auch zeitliche Konflikte gewerkübergreifend aufdecken, Baustellen-, Montage und Logistikabläufe optimieren, kritische Prozesse und Phasen vorab simulieren. Das gesamte Bauvorhaben kann digital vorweggenommen werden, bevor es real umgesetzt wird. Dadurch lassen sich Probleme und Engpässe vorher erkennen, Abläufe und Termine präziser vorhersagen.

BIM-Vorteile für das Malerhandwerk

Während BIM bei einigen Planern schon Realität ist, ist der Begriff im Handwerk noch weitgehend unbekannt. Dabei profitieren auch ausführende Unternehmen davon: beispielsweise durch die Übernahme von BIM-Gebäudedaten für Kostenkalkulationen, die Angebotserstellung oder Projektvisualisierungen. Viele im BIM-Modell enthaltenen Gebäude-, Raum- und Bauteildaten wie etwa Flächen, Massen und Mengen, U-Werte oder Brandschutzklassen können für eigene Berechnungen übernommen werden. Maler- und Fassadenbaubetriebe können etwa bauphysikalische oder energetische Werte von Fassadenkonstruktionen importieren. Räume und Gestaltungskonzepte können Kunden ohne Zusatzaufwand dreidimensional präsentiert werden. Werden auch alle für die Bestellung, Lieferung und Montage relevanten Informationen in die BIM-Bauteile eingepflegt, sorgen entsprechende Auswertungen für kleineren Aufwand und größere Sicherheit bei der Angebotserstellung, Bestellung, Ressourcen-, Baustellen- oder Montageplanung. Anstelle von Papierplänen und Dokumenten können dreidimensionale, mobil aufrufbare Bauwerksmodelle
jederzeit Auskunft über aktuelle Kosten, Mengen, Materialien, Eigenschaften, Termine usw. geben.

Über einen kostenfreien BIM-Viewer (Anzeigeprogramm) und entsprechende Informationsfilter lassen sich alle relevanten Informationen abrufen. Ergeben sich im Projektverlauf durch Änderungswünsche oder Korrekturen bedingte Änderungen, können daraus resultierende Aufgaben unmittelbar Projektbeteiligten zugewiesen werden. Dabei wird automatisch ermittelt, wie sich Änderungen auf Kosten, Termine und Ressourcen bis auf die einzelne Gewerkebene auswirken. Außerdem lassen sich verwendete Materialien oder eingebaute Bauteile einfacher dokumentieren und per Schnittstelle an Gebäudebewirtschaftungssysteme (CAFM) für die Wartungs- und Serviceplanung übergeben. Auch aktuelle Entwicklungen wie der digitale Bauantrag, die digitale Fabrikation, die Visualisierung und 3D-Präsentation innerhalb virtueller oder erweiterter Realitäten (Virtual Reality, Augmented Reality) sowie der 3D-Druck erhalten durch BIM neue Impulse. BIM ist nicht zuletzt ein Teilaspekt von Industrie 4.0, respektive der Digitalisierung am Bau. Durch die Verzahnung von Technologien wie BIM, RFID (Radio-Frequenz-Identifikation) und IoT (Internet der Dinge) zur berührungslosen Identifizierung, Lokalisierung und Vernetzung von Bauteilen, Werkzeugen oder Maschinen, von Mobile und Cloud Computing
sind schon heute medienbruchfreie digitale Prozessketten realisierbar.

Möchten Sie noch mehr zur BIM-Technologie erfahren? Dann lohnt sich ein Blick in unseren Brennpunkt-Artikel in der Februarausgabe 2018.