Wie das »Building Information Modeling« die Handwerkerbranche revolutioniert

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Das BIM soll die Gebäudeplanung in allen Bereichen erleichtern, von der Planung bis zur Umsetzung. Foto: © Bernd Kasper/pixelio.de

Building Information Modeling, kurz BIM, ist eine technisch breitgefächerte Methode des Planens und Bauens von Gebäuden jeglicher Größe. Die Software befähigt den Anwender zur digitalen Erstellung eines detailgetreuen Gebäudeplans, der jederzeit erweitert, ergänzt oder verändert werden kann. Wo Großbritannien, Skandinavien und die USA das Techniknovum schon längst in den Prozess der Gebäudeplanung integriert haben, hinkt Deutschland dem technischen Fortschritt noch ein wenig hinterher. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stellt die übermäßige Vielzahl an unterschiedlichen Software-Anbieter noch ein Problem dar, das durch ein standardisiertes Programm gelöst werden und auch mittelständischen Unternehmen und kleineren Betrieben die Teilnahme am BIM-Trend ermöglichen soll.

 Digitales Bauen: Transparente Kommunikation zwischen den Gewerken

Das Besondere am Building Information Modeling ist, dass alle Beteiligten des Bauprojekts, vom Architekten über den Bauunternehmer und Auftraggeber bis hin zum Handwerker, zu jeder Zeit auf den Entwurf zugreifen können. Darin liegt auch der enorme Vorteil des BIM gegenüber den branchenüblichen 2D-Skizzen und CAD-Plänen: wo sonst nämlich nach jeder Änderung die Pläne vom Architekten überarbeitet und an alle Parteien verteilt werden mussten, sind bei Verwendung des BIM Eingriffe in das Projekt sofort für alle ersichtlich und nachvollziehbar. Das BIM-Modell wird im virtuellen Raum geplant und akkurat mit den Eigenschaften der einzelnen Bauelemente versehen. Klickt man beispielsweise auf eine Treppe, so erhält man unter anderem Angaben über den Grad der Steigung, Anzahl und Höhe der Stufen und das zu verwendende Material. Jedes Handwerk kann im Anschluss daran die Informationen für die Kalkulation der Materialmenge und – kosten entnehmen. Außerdem lassen sich mittels Building Information Modeling die «Innereien» des Gebäudes hinzufügen: Elektriker betten die Struktur der Verkabelung in den Plan ein, Sanitärhandwerker vervollständigen die Verrohrung und notwendigen Anschlüsse. Auch für das Malerhandwerk ist das digitale Bauen mit einigen Vorzügen verbunden. Bodenbeläge mit ihren unterschiedlichen Aufbauhöhen lassen sich bequem am Computer in die 3D-Sicht einbetten, Materialien für den Trockenbau anhand der skizzierten Raumaufteilung kalkulieren. Auch die Bestellmengen für Putze und Beschichtungsstoffe für Innenräume und Fassaden lassen sich leicht mittels der computererrechneten Quadratmeterzahl feststellen.

Von der Planung bis zur Umsetzung

Ist die Planungsphase abgeschlossen und der Entwurf vom Bauunternehmer und der zuständigen Behörde abgesegnet, kann die aktive Umsetzung gestartet werden. Bei Verwendung aller Applikationen des BIM kann neben den kalkulierten Anschaffungskosten auch der Lieferstatus des bestellten Materials eingesehen werden. BIM garantiert einen reibungslosen Ablauf auf der Baustelle und einen fließenden, termingerechten Übergang zwischen den einzelnen Gewerken, was nicht zuletzt für die Bauträger von entscheidender Bedeutung ist. Etwaige Schäden oder Komplikationen, die auf der Baustelle auftreten, können mit wenigen Handgriffen im BIM-Modell berücksichtigt und umgangen werden. Stellt sich zum Beispiel heraus, dass eine Tür oder ein Fenster falsch bzw. ungünstig platziert ist, wird der Entwurf angepasst und alle Gewerke erhalten ein Update zu ihren betroffenen Bereichen. Durch diese längst überflüssige Neuerung lässt sich die Kostenerhöhung durch unnötigen Materialverbrauch oder zusätzliche Arbeitsstunden problemlos vermeiden.

Prognosen für den Software-Trend

Auch wenn Gegner der Planungssoftware höhere Kosten durch notwendige Schulungen und aufwändigere Planungsphasen befürchten, zeigt die Praxis, dass das Building Information Modeling im Vergleich zur herkömmlichen Gebäudeplanung tatsächlich sogar kosteneffizienter arbeitet, das Bauvorhaben wettbewerbsfähiger macht und Transparenz schafft. Die Eingliederung des Building Information Modeling-Tools in das deutsche Handwerk wird daher nicht nur vom Bundeswirtschaftsministerium, sondern sogar vom Europäischen Parlament unterstützt. Ziel ist es, die Methode des BIM bis 2020 auch in Deutschland als feste Instanz zu etablieren und Aus- bzw. Weiterbildungen für Handwerker in die komplexe Thematik anzubieten. Vorteile bietet das BIM übrigens nicht nur für die Architekten- bzw. Handwerksbranche, auch für das Facility Management bildet das 3D-Modul des entstandenen Gebäudes eine solide Basis für die weitere Verwaltungsplanung.