Besser argumentieren mit lebendiger Sprache

Belebend wirkt ein Text, wenn der Autor unsere Sinne anspricht. Nicht bloß in der Literatur. Auch die Geschäftskorrespondenz profitiert davon. Mit drei einfachen Methoden machen Sie es den Empfängern leichter.

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Gegen den Wortmüll – hohle Floskeln, leere Phrasen und umständliche Formulierungen machen es dem Leser schwer, dem Text zu folgen

Angenommen, Sie schlagen einem Kunden eine Wandtapete mit einer großen Linde für sein Büro vor. Am besten überzeugen werden Sie ihn, indem Sie seine Sinne ansprechen. Das geschieht, wenn er beim Lesen Ihres Angebots den Duft der Blüten riecht, wenn er das Blattwerk rascheln hört, wenn er zu spüren glaubt, wie ihm der Stamm den Rücken stärkt. Dann haben Sie Szenen vor seinem geistigen Auge entstehen lassen, die ihn emotional berühren. Ein ähnlicher Effekt lässt sich mit Sprachbildern und Analogien erreichen. Doch das ist schon die Hohe Schule des Schreibens. In diesem Artikel beschränken wir uns auf drei einfache Stilregeln, die Sie in der Praxis sofort umsetzen können.

1. Wortmüll streichen, Langeweile vermeiden

Ein lebendiger Text verzichtet auf Phrasen und umständliche Formulierungen. Der Sprachkritiker Ernst A. Rauter bringt auf den Punkt, warum jede gestrichene Floskel ein Gewinn für unsere Texte ist: »Alles Überflüssige senkt die Aufmerksamkeit.« Je kürzer und prägnanter unsere Briefe sind, desto eher dringen wir zum Empfänger durch. Dass die Blähsprache auch in Silben daherkommt, zeigt die »Zielsetzung«, die sich ohne Bedeutungsverlust auf »Ziel« reduzieren lässt. Dadurch sparen wir zwei Silben. Anfällig für Wortmüll ist vor allem der Briefeinstieg. Wie oft verursachen Floskeln wie »Hiermit möchte ich Ihnen mitteilen«, »haben wir zur Kenntnis genommen« oder »bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom« schon am Anfang Langeweile? Wenn das passiert, ist der Leser für den Rest des Briefs verloren.

 2. Adjektive bedacht wählen

Auch der unnötige Gebrauch von Adjektiven trägt zu Wortmüll bei. Sprechen Sie die Sinne Ihrer Kunden wirklich an, wenn Sie von »schönen Farben« schreiben? Oder ist das Eigenschaftswort in diesem Fall unnütz, weil Farben per se schön sind? Unter einer »warmen« Farbe zum Beispiel können wir uns mehr vorstellen. Hier löst das Adjektiv ein Gefühl aus, das wir auf der Haut unmittelbar spüren. Das heißt, dass wir Adjektive nur brauchen, wenn sie unterscheiden (die rote, nicht die gelbe Wand) oder wenn wir ein Gefühl ausdrücken: »Dieser Raum macht mich aggressiv«. Solange das Adjektiv nichts sagt, was uns dichter an ein Ding oder Gefühl heranführt, ist es bloß Redeschmuck.

3. Kraftvolle Verben benutzen

Auch das Verb ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gilt es als kraftvollste Wortart der deutschen Sprache. Andererseits lässt sich auch damit Unfug treiben, zum Beispiel wenn wir im Passiv schreiben (wird überstrichen). Kraftvoller wirkt das Verb in seiner aktiven Form (überstreichen wir). Problematisch ist zudem der Konjunktiv (würde ich vorschlagen). Viele empfinden die Möglichkeitsform als höflicher. Doch führt diese auch dazu, dass wir uns und unsere Absicht in Frage stellen. Unsere Geschäftspartner nehmen uns dadurch weniger ernst. Dynamik bringen wir mit aktiven Verben ins Spiel. Doch selbst in dieser Form ist nicht alles Gold, was glänzt. Was lösen Verben wie »evaluieren, eruieren, verifizieren« in Ihnen aus? Stört Sie etwas? Verben, die auf »-ieren“«enden, haftet ein technokratischer Beigeschmack an. Auf der sicheren Seite sind wir immer dann, wenn wir uns bei der Auswahl eines Verbs ein Beispiel an den großen Dichtern nehmen. So wie bei Schiller: »Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren …« Hören Sie den Unterschied?

Durch den Verzicht auf Phrasen aller Art, den sparsamen Einsatz von Adjektiven und das Bevorzugen kraftvoller Verben bringen wir mehr Leben in unsere Korrespondenz. Mit dem Effekt, dass die Empfänger diese aufmerksamer lesen.

Praxistipp: Wörterfasten

So geht’s: Nehmen Sie sich täglich eine E-Mail vor, aus der sie jedes unnötige Wort (auch Silben) streichen. Arbeiten Sie zu zweit im Büro, macht das noch mehr Spaß. Tauschen Sie Ihre E-Mails untereinander aus. Gewonnen hat, wer die meisten überflüssigen Wörter bzw. Silben findet.

 

Sylke Schröder

Die Autorin ist Diplom-Bankbetriebswirtin (ADG). Bis 2014 war sie Kommunikationsvorstand der Ethikbank. In ihren 23 „Bankjahren“ hat sie einen großen Erfahrungsschatz in der Unternehmenskommunikation zusammengetragen, mit dem sie seit 2015 das BriefStudio betreibt. Kontakt: www.briefstudio.de

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Foto: Joanna Kosinska/unsplash.de