Akustiksysteme – Schöne Schallschlucker

Nach den großen Sommerferien freut sich Grundschullehrerin Elisabeth H., als sie wieder vor ihren Schülern steht, die alle aufgeregt durcheinander reden und von ihren Ferienerlebnissen erzählen: »Das ist ja sensationell, alles wirkt gedämpft, es ist so viel leiser hier!« Was ist passiert? In der unterrichtsfreien Zeit wurden in der Schule die Klassenräume renoviert, das heißt akustisch verbessert, zum Wohl von Lehrern und Schülern.

Wunsch nach Stille nimmt zu

Der Bedarf und der Wunsch nach Stille und guter Akustik nimmt zu, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass es immer mehr ältere Menschen in Deutschland gibt. Die Gehörleistung lässt nach, Menschen sind im Alter verstärkt auf gute Akustik angewiesen, um kommunizieren oder akustische Darbietungen genussvoll aufnehmen zu können. Aber auch Lehrer in der Schule und Erzieherinnen im Kindergarten wären froh, sie könnten ihre Stimme schonen, anstatt ständig den Lärmpegel der Kinder übertönen zu müssen. Im Restaurant macht das Essen mehr Spaß, wenn man sich ruhig unterhalten kann und in Büros, Arztpraxen oder am Bankschalter arbeitet es sich entspannter, wenn die »Hörsamkeit« des Raumes stimmt.

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Moderne Räume, schlechte Akustik

Leider nimmt die moderne Innenarchitektur in der Regel wenig Rücksicht auf die Akustik. Im Gegenteil, sie glänzt mit Sichtbeton, großen Fenstern, glatten Flächen und Natursteinböden, alles so genannte »schallharte Oberflächen«, die den Schall reflektieren und als Nachhall zurückwerfen. Schallwellen verirren sich in den offenen Grundrissen heutiger Wohnungen und werden an den harten, glatten Oberflächen vielfach reflektiert. Das heißt, sie tönen als Raumschall aus allen Ecken und potenzieren den Nachhall. In Zeiten als dicke Plüschteppiche am Boden, wuchtige Vorhänge, Sofakissen oder gar Wandteppiche gierig den Schall schluckten, war dies anders. Hohe Decken, pflegeleichte, harte Böden in Schulen und Krankenhäusern, das alles führt zu einer zunehmenden Lärmbelastung.

Rückkehr zur Stille

Doch es gibt heute fantastische Schalldämpfungsmöglichkeiten für alle Räume und Situationen. Akustiksysteme regulieren Nachhallzeiten und Störgeräusche auf ein Minimum. Die Akustikhersteller bieten ein umfassendes Portfolio an Akustiksystemen und -materialien, von den bekannten Lochplatten bis zu feinem Akustikputz. Diese nehmen, abhängig davon, wie sie im Raum verteilt werden, so viel Schall in ihren offenen Poren auf, dass die Schallschutzbestimmungen erfüllt werden und die Akustik stimmt. Akustiksysteme bestehen zumeist aus Absorberplatten aus schallschluckenden oder -dämpfenden Materialien wie zum Beispiel Hightech-Schaumstoffe, Gipskarton, Blähton oder geblähtem Vulkangestein. Darauf kommt eine akustisch wirksame Zwischen- oder Schlussbeschichtung aus einem offenporigen Putz.

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An der Decke bringt es am meisten

Generell sind akustische Maßnahmen an der Decke am effektivsten, denn dort trifft der meiste Schall auf und wird auf harten Oberflächen reflektiert bzw. auf akustisch wirksamen Flächen absorbiert. Reicht die Decke nicht aus oder kann nicht einbezogen werden, dann eignen sich auch die Wände. Sie können mit Absorberplatten beklebt werden oder bei geringer mechanischer Belastung auch mit einem Akustikputz beschichtet werden.

Was aber tun in historischen Gebäude – etwa mit Kreuzbogengewölben – die eine schreckliche Akustik haben? Hier bieten die Hersteller feinste Akustikputze, die sich fugenlos an Decke und Wand aufbringen lassen. Mit modernster Maschinentechnik geht das ganz schnell. Akustikputze reduzieren bei minimalem Verlust an Raumhöhe die Nachhallzeit deutlich und sind auch für mehrachsig gebogene Flächen sowie geringste Radien geeignet. Manchmal müssen auch Absorber, die unter die Tische geklebt werden, ausreichen. Sie können jedoch nur einen Bruchteil des Schalls aufnehmen.

Je nachdem, wie viel Fläche benötigt wird und was der Kunde ästhetisch wünscht, kann die gesamte Deckenfläche mit einem fugenlosen System ausgestattet oder nur Teilflächen mit Absorberplatten oder -elementen belegt werden. In den meisten Räumen reichen bereits 40 bis 50 % der Raumfläche.

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Erfahrungen aus der Praxis

»Sobald wir die Chance bekommen, die Akustik zu präsentieren, haben wir gewonnen« Das sind die Erfahrungen von Malermeister Thomas Höhner aus Königswinter. Denn bevor ein akustisch wirksame Maßnahmeeingebaut wird, muss man sie verkaufen können. Auf der Homepage der Maler Höhner KG ist der Menüpunkt »Schallschutz« aufgeführt. Das Internet ist eine von drei Säulen, mit denen der Malerbetrieb auf das besondere Aufgabengebiet der Akustik aufmerksam macht, außerdem gibt es einen Flyer und – ganz wichtig – das Empfehlungsmarketing.

Der Malerbetrieb mit 18 handwerklichen Mitarbeitern ist seit vier Jahren in der Akustik tätig. Und zwar zu 60 % für kleine mittelständische Betriebe und Gastronomie und zu immerhin 40 % für Privatkunden. »Der Durchbruch in die Akustikarbeiten kam über einen Privatkunden, der in seinem modernen Haus einen Wohnraum hatte, der auf drei Seiten völlig verglast war. Am Tisch in der Mitte des Raumes war eine vernünftige Unterhaltung unmöglich. Wir haben dann an der Decke die Melapor CapaCoustic Panel angebracht, mit durchschlagender Wirkung – das war ein voller Erfolg«, erinnert sich Thomas Höhner. Dann kamen immer mehr Aufträge. Heute sind zwei Mitarbeiter gut in den Akustikbereich eingearbeitet, der Umsatz damit liegt jedoch noch im einstelligen Bereich zwischen 5 und 8 %. Das liegt daran, dass der Verkauf nicht von allein geht. Doch wenn ein Interessent die Wirkung hört, hat Maler Höhner gewonnen. Daher hat er bei Beratungsterminen stets ein Paket mit Akustikplatten dabei, die er in dem Problemraum beim Kunden aufstellt. »So wird die schalldämpfende Wirkung sofort deutlich und überzeugt absolut«, freut sich Thomas Höhner.

Er leistet auch viel Aufklärungsarbeit. So kann es auch vorkommen dass der Malermeister beim Essen in einem Restaurant, wo es sehr laut ist, den Besitzer anspricht und ihm Akustikmaßnahmen empfiehlt. Erfreut erzählt Thomas Höhner wie er in einer Gemeinde einen Kindergarten akustisch sanierte. Das überzeugte so, dass er gleich noch drei weitere Kindergärten akustisch aufwerten durfte – und das alles innerhalb eines halben Jahres!

Und wie ist die Verarbeitung? »Sicher muss man ein paar Grundsätze in der Montage beachten, aber das Material ist im Prinzip recht einfach«, sagt Thomas Höhner. Allerdings müsse man sich schon ein gewisses Know-how aneignen, mindestens mit einem Grundkurs. Das meiste komme dann mit der Erfahrung. »Nur bei der Verklebung muss man aufpassen, damit keine Kleberflecken auf die Platten gelangen«, weiß Thomas Höhner. Er ist froh ist, eine Nische mit guter Wertschöpfung gefunden zu haben.

Bilder: Caparol, Knauf, Sto