10. Juni 2016

Vor Lärm am Bau schützen

Foto: 3M, Festool

Das Dröhnen von Maschinen, rhythmisches Hämmern, Bohren, Sägen und Schleifen – am Bau gibt's was auf die Ohren. Wer solchem Lärm ungeschützt ausgesetzt ist, kann unheilbar erkranken. Lärmschwerhörigkeit steht bei den Berufskrankheiten seit Jahren an einer Spitzenposition. Die Situation kann sich zuspitzen, weil sich viele junge Leute zusätzlich lauter Musik in ihrer Freizeit aussetzen. Dann fehlt dem Gehör die notwendige Erholungspause. Etwa fünf Millionen Beschäftigte sind in Deutschland schädigendem Lärm ausgesetzt, teilte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im Januar 2016 mit. Im Jahr 2015 wurden in der Bauwirtschaft über 2.100 ärztliche Anzeigen auf Verdacht der Berufskrankheit Lärmschwerhörigkeit gemeldet. Zirka 31 Prozent aller anerkannten Berufskrankheiten sind durch Lärm verursacht. Allein in dem Jahr musste die BG BAU über 17 Millionen Euro für Heilbehandlungen, Reha und Renten an mehr als 6.300 Lärmgeschädigte aufbringen.

Wie man sich vor Lärm schützt

Wer am Bau schafft, muss sich vor Lärm schützen: Eine schwere Erdbaumaschine etwa bringt es auf 90 Dezibel (dB(A)). Eine Baukreissäge oder ein Bohrhammer erzeugen über 100 Dezibel. Zum Vergleich: Starker Straßenverkehr kommt auf 80 Dezibel. Personen, die einer anhaltenden Lärmbelastung von 85 dB (A) oder einem Knall über 137 Dezibel (dB (C)) ungeschützt ausgesetzt sind, können unheilbare Schäden davon tragen. Ab einer Schallstärke von 85 dB(A) müssen Arbeitsplätze daher als Lärmbereiche gekennzeichnet werden. Dort sind technische Maßnahmen zum Einsatz lärmarmer Arbeitsverfahren und Maschinen zu treffen, etwa schallreduzierte Schleif und Trennscheiben, Sägeblätter oder rückschlagfreie Kunststoffhämmer. Sind solche Möglichkeiten ausgeschöpft, kommen organisatorische Maßnahmen in Betracht, z. B. Maschinen einkapseln, Räume schalldämmend auskleiden oder mobile Schallschutzwände einsetzen. Erst wenn Lärm nicht vermieden werden kann, kommt persönlicher Gehörschutz, wie Ohrenstöpsel oder Kapselgehörschützer, zum Einsatz. Ab einer durchschnittlichen Lärmbelastung von 80 dB(A) müssen Arbeitgeber an einem achtstündigen Arbeitstag Gehörschutz zur Verfügung stellen. Die Arbeitnehmer sind in der Pflicht, den Gehörschutz ab einer Lautstärke von 85 dB(A) auch zu tragen.

Welcher Gehörschutz geeignet ist

Gehörschützer sollen den Lärm so weit abschwächen, dass das Ohr keinen Schaden nimmt. Jedoch müssen wichtige akustische Informationen wie z. B. Warnsignale, Sprache und Maschinengeräusche noch erkannt werden können. Die Schalldämmung des Gehörs darf nicht zu gering, aber auch nicht zu groß sein. Ziel ist ein Restschallpegel unter dem Gehörschutz von 70 dB (A). Abgestimmt auf Ziel, Zweck und Anwendbarkeit gibt es verschiedene Arten von Gehörschutz:

1) Kapselgehörschützer

  • wenn häufiges Auf und Absetzen erforderlich ist
  • wenn man häufig kurzzeitigem Lärm ausgesetzt ist
  • bei Neigung zu Gehörgangsentzündungen

2) Gehörschutzstöpsel

  • für Arbeitsplätze mit andauernder Lärmeinwirkung
  • bei starker Schweißbildung unter Kapselgehörschützern
  • bei gleichzeitigem Tragen von Gehörschutz und Brille

3) Otoplastiken

  • von einem Hörgeräteakustiker individuell angepasster Gehörschutz für hohen Tragekomfort
  • wenn Kapselgehörschützer ungeeignet sind und Gehörschutzstöpsel nicht vertragen werden
  • wenn aufgrund von Hörminderungen ein besonders sicherer Schutz gefordert wird

Lärmschwerhörigkeit als Folge

Ohne hinreichenden Schutz kann sich eine über Jahre hinweg schleichende Lärmschwerhörigkeit einstellen. Mit den Folgen ist nicht zu spaßen: Warnsignale oder wichtige Hinweise von Vorgesetzten oder Kollegen können überhört werden. Das Unfallrisiko und die Gefahr, dass man Fehler macht, steigen. Noch brisanter wird es, wenn Freizeitlärm dazu kommt und sich das Gehör nicht regenerieren kann. Erste Anzeichen einer Lärmschwerhörigkeit lassen sich durch Gehörtests des ArbeitsmedizinischSicherheitstechnischen Dienstes (ASD der BG BAU) erkennen, an denen jeder Arbeitnehmer kostenlos teilnehmen kann. Generell beraten Präventionsfachleute der BG BAU Mitgliedsfirmen darüber, wie Lärm gemindert werden kann.

Jugendliche sind besonders gefährdet

Gerade Jugendliche setzen sich in ihrer Freizeit oft lauten Klängen ihrer Lieblingsbands aus. Konzerte, DiskoClubs oder Musikabspielgeräte erreichen locker Lärmpegel zwischen 80 und 120 dB(A). Doch das Gehör unterscheidet nicht zwischen Arbeitslärm und Musik. Wer 15 Minuten lang Musik hört, die 100 dB(A) laut ist, fängt die gleiche Lärmdosis ein, wie nach einem achtstündigen Arbeitstag bei 85 dB(A). Viele Studien belegen, dass sich bei Heranwachsenden die Probleme mit dem Gehör in den kommenden Jahren verschärfen werden. Allein in den den letzten 24 Jahren haben sich Hörstörungen bei Kindern und Jugendlichen verdoppelt, wie die Deutsche Gesellschaft für HalsNasenOhrenheilkunde, Kopf und HalsChirurgie (DGHNO KHC) im vergangenen Jahr berichtet. Zurückgeführt wird das auf einen zu lauten Musikkonsum. In die gleiche Richtung gehen Erkenntnisse der sogenannten OHRKANStudie des Universitätsklinikums Regensburg mit 2149 bayerischen Schülerinnen und Schülern im Alter von 13 bis 19 Jahren. Dort wurde festgestellt, dass etwa 22 Prozent der jungen Leute ihren MusikPlayer so häufig und laut verwenden, dass die Lärmbelastung von 85 dB(A) über 40 Stunden pro Woche übersteigt. Fotos: 3M, Festool