30. Mai 2016

Integrationsprojekt für Migranten

(V.L.N.R.):
 JACK IYO­KA (PR­OJEKT­TEIL­NEH­MER) GE­MEIN­SAM MIT JASMIN BAC­CEL­LIE­RE (JOB­C­EN­TER OSTALB­KREIS), GA­BRIE­LE FUCHS (PR­OJEK­T­IN­ITIA­TO­R­IN STUCKA­TEUR­BE­TRIEB FUCHS), DOR­O­THEA EWERS (KOLPING BIL­DUNGSWERK) UND YURIY GE­MEDZ­HIEV (PR­OJEKT­TEIL­NEH­MER).
 FOTO: HWK ULM

Das Bauhandwerk im Ostalbkreis hat sein Integrationsprojekt »Chance Bauberuf« für Flüchtlinge erfolgreich gestartet. Zielsetzung ist, Menschen mit Migrationshintergrund in eine duale Ausbildung zu bringen. Den Impuls dazu hatte Gabriele Fuchs von der Josef A. Fuchs Stuckateurbetrieb GmbH im Herbst 2015 gegeben, als sie sich überlegte, wie es wäre, einen Flüchtling zu beschäftigen. »Dabei merkte ich, dass das nicht ohne Weiteres möglich ist, zum einen wegen der Sprache, aber auch wegen mangelnder Kenntnisse in Materialkunde, Sicherheit und der technischen Abläufe«. Die Unternehmerfrau gab nicht auf und wandte sich an die Handwerkskammer Ulm, die den Stuckateurverband ins Boot holte. Als aus der Idee ein Projekt wurde, kam die Arbeitsagentur wegen der Finanzierung hinzu, das Jobcenter Aalen sowie das KolpingBildungswerk als Sozialpartner.

Durch das Projekt, das von März bis Ende August 2016 laufen wird, sollen jährlich 20 Migranten zu einer Ausbildung in einem BauBeruf geführt werden. Das »3 SäulenModell« aus Sprache, Theorie und Praktikum findet im Großraum OstWürttemberg in dieser Form zum ersten Mal statt. Auf dem Lehrplan steht der Orientierungsunterricht, allgemeiner und auf die Baubranche fachbezogener Deutschunterricht sowie Mathematik und Fachrechnen – insgesamt ca. 800 Stunden. Bei den fachpraktischen Inhalten erhalten die Jugendlichen durch praktische Übungen wie Fliesenlegen, Mauern, Holzbearbeitung oder Verputzen Einblicke in verschiedene Bauberufe. Diese Bausteine sind ohnehin Teil des Grundkurses des Ausbildungszentrums Bau, wo das Projekt stattfindet. Den Abschluss bildet ein vierwöchiges Praktikum in einem Betrieb der Baubranche, sodass der Absolvent im September die Ausbildung beginnen kann.

Integrationsprojekt mit Praxis und Theoriebezug

Stephan Bacher, der das Projekt für den Stuckateurverband betreut, erläutert: »In unserem ersten Kurs haben wir aktuell nicht die klassischen Flüchtlinge, von denen die meisten ja erst im Vorjahr ankamen und zur Zeit noch in den einführenden Sprach und Integrationskursen sind. Über die Hälfte unserer 15 Teilnehmer sind Migranten aus dem EUAusland wie Bulgaren, Tschechen usw.. Die jungen Männer zwischen 24 und 31 Jahren sind schon länger in Deutschland, sie haben die Sprachund Integrationskurse durchlaufen und sprechen gut deutsch. Sie wurden über das Jobcenter und die Arbeitsagentur an uns vermittelt.« Zurzeit werden noch Praktikumsbetriebe gesucht. »Die Guten werden als erstes in Lohn und Brot stehen, daher sollten interessierte Betriebe nicht zu lange warten«, rät Bacher. Das Projekt soll auf weitere Landkreis in BadenWürttemberg ausgedehnt werden, im nächsten Jahr könnten Flüchtlinge dazu kommen. Angedacht ist auch ein berufsbegleitendes Qualifizierungsprojekt für Hilfskräfte, die den Gesellenabschluss nachholen möchten, da einige Betriebe bereits Migranten ohne Abschluss beschäftigen. »Wenn es gut läuft, kann sich die Einstellung von Migranten auch positiv auf die Nachfolgeproblematik auswirken, denn die Neubürger sind offen für eine Selbstständigkeit«, merkt Stephan Bacher an. Das Modell ist auf alle Gewerke und Regionen übertragbar, die erforderliche Infrastruktur ist dank der dualen Ausbildung in Deutschland flächendeckend vorhanden. Zum Thema Flüchtlinge und Integration im Handwerk lesen Sie unseren Beitrag aus der Ausgabe 06/2016.