25 Jahre Deutscher Fassadenpreis

In diesem Jahr wird der Deutsche Fassadenpreis zum 25. Mal verliehen. Klaus Halmburger, ehemaliger Chefredakteur der Malerzeitschrift Mappe, ist als einziges Jurymitglied von Anfang an dabei. Lesen Sie, wie sich der Wettbewerb und die Fassadengestaltung in dieser Zeit entwickelt hat.

Redaktion: Herr Halmburger, die Verleihung des Deutschen Fassadenpreises jährt sich im Oktober zum 25. Mal. Wie gut ist Ihre Erinnerung an die frühen Tage dieser Ehrung?
Klaus Halmburger: Sehr gut. Der Deutsche Fassadenpreis hatte schließlich sofort großes Gewicht. Lassen Sie mich dazu kurz ausholen: Von der Nachkriegszeit bis in die frühen Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts waren die Fassaden unserer Bundesrepublik überwiegend weiß und grau. Farbigkeit tröpfelte erst langsam ins Straßenbild. In München etwa waren die Olympischen Spiele 1972 sicher ein treibender Faktor. Doch auch überall sonst im Land begann man Farbigkeit für die Fassadengestaltung zu entdecken. Wettbewerbe zur Fassadengestaltung schossen wie Pilze aus dem Boden, bald gab es Konkurrenzen dieser Art in über 400 Städten. Diese waren aber alle regional begrenzt. Der von Brillux ausgerichtete »Deutsche Fassadenpreis« war 1991 der erste überregionale Bewerb seiner Art.

Redaktion: Wie hat sich der Preis in den Jahren verändert?
Klaus Halmburger: Der Grundgedanke ist geblieben. Nämlich das Anliegen, unsere Städte und Dörfer schöner, bunter und damit lebenswerter zu machen. Wobei »bunter« natürlich immer bedeutet: in harmonischem Zusammenspiel mit der Umgebung. Der Deutsche Fassadenpreis ist dann zügig gewachsen. Sehen Sie, im ersten Jahr gab es 54 Einreichungen, inzwischen sind es Jahr für Jahr bis zu 400. Ich habe mal nachgerechnet: Im Laufe der Zeit habe ich ungefähr 6.000 Einsendungen begutachtet. Sicherlich trug dazu auch die Hinwendung zur Architektur bei, die ich ausdrücklich begrüße. Seit 1999 können ja auch Architekten einreichen, zuvor war die Teilnahme auf KundenClub-Mitglieder beschränkt – oder die Mitglieder des »Clubs der Fassaden-Experten«, wie es früher hieß.

Redaktion: Können Sie sich noch an den ersten Preisträger erinnern?
Klaus Halmburger: Oh ja. Eine liebevoll gestaltete historische Stilfassade aus Bad Aibling, gar nicht so weit entfernt von meiner Heimat Murnau übrigens.

Redaktion: Was natürlich reiner Zufall ist, denn die Einreichungen waren von Beginn an anonymisiert und sind seit jeher mit Tarnzahlen versehen.
Klaus Halmburger: Selbstverständlich. Und gerade diese absolute Unabhängigkeit der Jury ist verantwortlich für das große Renommee und den hohen Stellenwert des Preises. Nicht über jede unserer Entscheidungen mag man sich im Hause Brillux immer gleich stark gefreut haben, doch unsere Unabhängigkeit war nie in Gefahr.

Redaktion: An welche Vergaben denken Sie hier im Speziellen?
Klaus Halmburger: Also, ich kann mich hier sehr gut an die legendäre Doppelpreisvergabe 2002 erinnern. Da prämierten wir zum einen die in fein nuancierten Grautönen gestalteten Glattputzflächen einer Fassade in Berlin-Mitte. Und zum anderen eine ganz konträre Arbeit: eine expressive, schrille Fassade in Ludwigshafen. Rottöne wie Trompetenstöße! Diese Vergabe sorgte zwar für manches Kopfschütteln, an das ich mich lebhaft erinnern kann. Aber akzeptiert wurde sie. Diese Charakterfestigkeit schätze ich am Ausrichter sehr. Ebenso seine Verlässlichkeit und Kontinuität. Letztere drückt sich etwa darin aus, ganz unabhängig von konjunkturellen Wetterlagen, nicht an seinen Engagements zu rütteln, von denen er überzeugt ist, wie etwa beim Deutschen Fassadenpreis.

Redaktion: Wie würden Sie insgesamt den Standard der Fassadengestaltung in Deutschland einordnen?
Klaus Halmburger: Das Niveau ist über die Jahre gestiegen, aber es ist nicht durchgängig hoch. Nach meiner Einschätzung gibt es nach wie vor enorme Qualitätsunterschiede, die man auch an den Einsendungen deutlich erkennen kann. Deshalb wünsche ich mir seitens der Malerausbildung, dass noch größeres Augenmerk auf die Gestaltung gelegt wird als bisher. Und von der Ausbildung für Architekten erwarte ich mir, dass noch mehr mit Farbe geplant wird. Farbgestaltung wird bei uns im Studium oft nur in einem Semester gestreift. Das ist viel zu wenig. In Osteuropa verhält es sich zum Beispiel ganz anders. Es gibt also bei allem gestalterischen Fortschritt noch viel zu tun. Insgesamt würde ich mich also über ein noch höheres Grundniveau der Einreichungen freuen, sodass uns das Aussortieren noch schwerer gemacht wird. Sie wissen ja: Man ist nie zufrieden.

Redaktion: 25 Jahre Deutscher Fassadenpreis dürften auch mit Erinnerungen an viele angeregte, mitunter leidenschaftliche Jurysitzungen verbunden sein.
Klaus Halmburger: Oh ja. Das waren oft wunderbare Gespräche. In der Sache natürlich manchmal kontrovers, aber immer angenehm und auf Grundlage gegenseitiger Wertschätzung. Die Juryzusammenkünfte sind oft so etwas wie kleine, herzliche Familientreffen.

Redaktion: Herzlichen Dank für das Gepräch!

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Klaus Halmburger, 77, ist nicht nur einer der profundesten Kenner der Branche, sondern auch das einzige Jurymitglied der ersten Stunde. Foto: Brillux

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