04. März 2020

125 Jahre Deutsche Amphibolin-Werke

Rund 200 Gäste aus Politik und Wirtschaft kamen am 15. Januar an den DAW-Firmensitz nach Ober-Ramstadt, um exakt 125 Jahre nach dem Gründungstag des Familienunternehmens mit einem Festakt ins Jubiläumsjahr zu starten. 

Der 15. Januar ist in der Geschichte des Baufarbenherstellers ein Tag von besonderer Bedeutung: Genau an diesem Tag wurden 1895 in Hamburg die Deutschen Amphibolin-Werke von Robert Murjahn ins Handelsregister eingetragen. Bei genauerer Betrachtung ist dieser Tag ein Neustart. Denn sechs Jahre zuvor hatte der Vater von Robert Murjahn, der Hamburger Kaufmann Eduard, die Deutschen Amphibolin-Werke von Eduard Murjahn gegründet. 

Eine bewegte und erfolgreiche Geschichte 

 

Eduard Murjahn verließ vor 135 Jahren als angesehener Kaufmann seine Heimat in Hamburg, um sich im damals wenig erschlossenen Odenwald auf die Suche nach Rohstoffen für die Industrialisierung zu machen, denn in dieser Zeit boomte die Stahlindustrie und Mangan war als Legierungsmetall heiß begehrt. Nachdem 1884 zwei Unternehmen im Raum Reichelsheim, ca. 20 Kilometer südlich des heutigen Firmenstammsitzes Ober-Ramstadt, Mangan fanden, machte sich auch Eduard Murjahn hoffnungsvoll auf die Suche und erwarb 1885 Schürfrechte im nordwestlichen Odenwald. Dort stieß er aber nicht auf das erhoffte Mangan, sondern auf Amphibol. So scheiterte seine ursprüngliche Geschäftsidee, aber er ließ sich davon nicht beirren. Der auf den ersten Blick unscheinbare Fund weckte Eduard Murjahns Erfindergeist, der ihn nach Methoden suchen ließ, um das Mineral nutzbar zu machen. Mit Erfolg: Nach einer langen Reihe von Experimenten gelang ihm 1889 schließlich der Durchbruch. »Nach vielem Studieren und Probieren fand Eduard Murjahn ein Verfahren, um aus dem erwähnten Gestein des Odenwaldes ein pulverartiges Fabrikat herzustellen«, wie es auf einem Fachvortrag von 1892 hieß.

Weithin sichtbar: das Jubiläumslogo an der Fassade der DAW-Hauptverwaltung und am Siloturm in Ober-Ramstadt. Foto: DAW SE

In der Folge bewies Eduard Murjahn Gründergeist und unternehmerischen Mut. 1889 gründete er gemeinsam mit dem Hamburger Großkaufmann und Kaffeeimporteur Adolf Hamann zunächst die Firma »Deutsche Amphibolin-Werke von Eduard Murjahn« in Ernsthofen. Murjahn erwarb Grundstücke für Betriebsstätten und richtete Produktionsanlagen ein. Danach begann die Herstellung von Verputz- und Anstrichmassen sowie Rost- schutzfarben und Feuerschutzmitteln. Ab 1890 stellte das junge Unternehmen die ersten drei Mitarbeiter ein, die allesamt aus der Gegend stammen. Der Murjahn‘sche Bergwerksfund war im Begriff, die Region nachhaltig zu verändern, denn auch im Odenwald kam die Industrialisierung und mit ihr Straßen- und Eisenbahnanbindungen allmählich an. 

Unerwartete Trennung, richtungsweisender Neuanfang

 

Die neue Firma startete gut, aus den Gruben wurde reichlich Amphibol gefördert und für das Anstrichpulver gab es viele Abnehmer weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Kein Wunder: Während der Hochindustrialisierung brummte die Wirtschaft, die Bevölkerung wuchs kontinuierlich und in den immer größer werdenden Städten benötigten neue Häuser und Fabriken schließlich Anstrichfarbe. 1894 wurde für das junge Unternehmen zum Schicksalsjahr: Viele Amphibol-Vorkommen waren erschöpft ‒ aber noch schneller versiegte die Geldquelle. Nachdem sich Eduard Murjahn mit seinem finanzstarken Partner Adolf Hamann überworfen hatte, kündigte dieser die Zusammenarbeit. Die Firma musste Konkurs anmelden. Dann aber schlug mit dem Jahr 1895 die Stunde Null der DAW-Erfolgsgeschichte. Robert Murjahn gründet die »Deutsche Amphibolin-Werke von Robert Murjahn«. Auch ihn zeichnete unternehmerischen Mut und Erfindergeist aus. Denn er hatte ein Verputzpulver entwickelt, das ohne Amphibol auskam: Amphibolin Verputzpulver 1a, hell waschbar. Die Produktion wurde nach Ober-Ramstadt verlegt, denn dieses hatte eine eigene Bahnanbindung. Robert Murjahn fand am neuen Firmensitz treue Mitarbeiter und stellte Produkte von bester Qualität her. Doch ohne finanzstarken Partner fehlten ihm Mittel für Werbung. Er musste den Vertrieb umstellen. Pausenlos besuchte er Kunden und Interessenten. 

Vornehme Mattfarbe: So wurde ab 1920 Murjahns Amphibolin beworben. Foto: DAW SE

Damit legte er den Grundstein für einen wichtigen Vertriebsweg der DAW ‒ persönliche, direkte und individuelle Beratung. Robert Murjahns Plan ging auf: Die Kunden vertrauten ihm und bezahlten per Vorkasse. Damit konnte er Rohstoffe kaufen und die Produktion ankurbeln. »In schwierigen Zeiten ist Liquidität wichtiger als Gewinn«, soll Robert Murjahn einmal gesagt haben. So erholte sich das Unternehmen allmählich. Die neuen Mittel investierte Robert Murjahn umgehend in den Betrieb: 1900 pachtete er eine Fabrikanlage direkt am Bahnhof in Ober-Ramstadt, fünf Jahre später konnte das Gelände komplett erworben werden. Dass die junge DAW auf festen Beinen stand, bestätigen Wirtschaftsprüfer 1910: »Murjahn hat es verstanden, das Geschäft aus kleinen, misslichen Verhältnissen auf eine ganz respectable Höhe zu bringen. Murjahn, der heute einen ganz hübschen Umsatz erzielt, ist seinen Verbindlichkeiten bisher der Abrede gemäss nachgekommen.« 

Werte als Erfolgsrezept 

 

Das ist bis heute so. Dr. Ralf Murjahn, heute der Geschäftsführende Direktor (CEO) des Unternehmens und Ururenkel von Eduard Murjahn, betonte bei seiner Ansprache beim Festakt zum Jubiläum drei Werte, die von Anfang an die Grundlage des Erfolgs über fünf Generationen von Familieneigentümern und Mitarbeitern waren: »Als erstes war und ist es unser Anspruch an uns selbst, stets ein fairer und zuverlässiger Partner zu sein, ganz in hanseatischer Tradition, vor allem für unsere Kunden, aber auch für alle anderen Geschäftspartner ‒ und selbstverständlich für die Mitarbeiter.« Zudem sieht er im kontinuierlichen Streben nach Innovation den einzigen Weg, Kunden immer wieder neuartigen Nutzen zu bieten, der sie erfolgreicher macht und der die DAW dauerhaft im Markt differenziert.

1905 gab es die erste Musterkarte von Murjahns Anstrichpulver. Foto: DAW SE

»Bei aller Bescheidenheit lässt sich feststellen, dass die DAW die Entwicklung unserer Branche in den vergangenen 125 Jahren mit zahlreichen innovativen Pionierleistungen mitgeprägt hat ‒ von der ersten kaltwasserlöslichen Pulverfarbe Alpinaweiß 1909 und dem neuartigen Bindemittel Caparol 1927, aus dem 1936 von Dr. Robert Murjahn die erste Dispersionsfarbe weltweit rezeptiert wurde, über die erste Wärmedämmung 1957, die erste E.L.F.-Farbe 1985 oder die erste konservierungsmittelfreie Farbe 2001«, führte Ralf Murjahn aus. Der dritte Wert sei typisch für Familienunternehmen und essenziell: »Die Möglichkeit, weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen und externen Finanziers langfristig denken und entscheiden zu dürfen, um die Unternehmensziele dauerhaft und generationsübergreifend zu verfolgen.« 

Bessere Gebäude für besseres Leben

 

CEO Dr. Ralf Murjahn und Vater Klaus (re.) stehen für regionale Verhaftung, hohe Innovationskraft und damit internationale Wettbewerbsfähigkeit. Foto: DAW SE

Dr. Ralf Murjahn und Vater Dr. Klaus Murjahn, der das Wachstum der vom Vater Robert übergebenen Firma in den Jahrzehnten seines Wirkens vorantrieb, dankten beim Festakt allen, die den Erfolg der DAW ermöglicht haben. Wie sehen sie die Zukunft der DAW? »Die Erfolge in der Vergangenheit sind für uns ein großer Ansporn, um weiter Gebäude zu ertüchtigen und durch die Verbesserung der Leistung von Gebäuden dafür zu sorgen, dass möglichst viele Menschen in gesunden, gut designten, effizienten und nachhaltigen Immobilien leben und arbeiten werden«, erklärte Ralf Murjahn und rief dazu auf, dieses auch gesellschaftlich wichtige Ziel zum Wohle aller weiterhin gemeinsam zu verfolgen. »Indem unsere Produkte die Leistungsfähigkeit von Bauwerken erheblich verbessern, tragen sie auch maßgeblich zur Verbesserung der Lebensqualität der Nutzer bei.« Diesem Ansporn trägt der neue Claim der DAW »Better Building Performance. Better Life.« Rechnung ‒ mit internationalem Anspruch und durch den Zusatz »Since 1895« mit Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit eines seit 125 Jahren bestehenden Familienunternehmens. 

Die DAW feiert mit den Mitarbeitern bei einem Sommerfest und auch an die Kunden richten sich im Jubiläumsjahr zahlreiche Aktivitäten. 

Matthias Heilig