14. Januar 2020

Erschöpfte Beschäftigte

VIE­LE BES­CHÄFTIG­TE FÜHLEN SICH AN DER BE­LASTUNGS­GRE­NZE. FOTO: DGB IN­DEX

Laut eines aktuellen Reports zum DGB-Index Gute Arbeit 2019 fühlen sich deutsche Arbeitnehmer überlastet. Bei der repräsentativen Befragung, die mit mehr als 6.500 zufällig ausgewählten abhängig Beschäftigten durchgeführt wurde, gaben 53 Prozent an, sich häufig oder oft gehetzt zu fühlen. Ein relativ großer Teil der Beschäftigten empfindet seine aktuelle Tätigkeit sogar als so belastend, dass er davon ausgeht, den Job nicht bis zum Rentenalter durchzuhalten. Auffällig ist, dass besonders in der IT-Branche und in naturwissenschaftlichen Berufen die Belastung als sehr hoch empfunden wird. Hier berichten 35 Prozent davon, die Arbeitsmenge (sehr) häufig nicht in der vorgesehenen Arbeitszeit schaffen zu können.

Das liege unter anderem an einem hohen Zeitdruck und der zunehmenden Arbeitsverdichtung. Betroffene machen weniger Pausen und sind nach der Arbeit erschöpft. Ihren Gesundheitszustand schätzen sie schlechter ein als Beschäftigte, die nicht von Überlastung betroffen sind. Zwei Drittel sind in den zwölf Monaten vor der Befragung mindestens einmal zur Arbeit gegangen, obwohl sie sich »richtig krank gefühlt haben«.

Überlastungssituationen entstehen häufig aufgrund von Personalknappheit. 38 Prozent der Beschäftigten gaben an, dass sie wegen fehlendem Personal mehr Arbeit bewältigen oder länger arbeiten müssten. Diese Gruppe leistet deutlich häufiger Überstunden. Darunter leide wiederum die Qualität, um das geforderte Pensum schaffen zu können.

Stünde Arbeitnehmern die Möglichkeit zu, Einfluss auf ihr Arbeitspensum zu nehmen, ließen sich entsprechend starke Belastungen bei unvorhergesehenen Ereignissen bis zu einem gewissen Grad vermeiden. Die Ergebnisse der Befragung zeigen allerdings, dass zwei Drittel der Beschäftigten ihre Arbeitsmenge gar nicht oder nur in geringem Maß beeinflussen können. Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), schreibt: »Viele Arbeitgeber vernachlässigen ihre gesetzliche Pflicht, eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit zu gewährleisten. Obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist, hat sich die Lage nicht gebessert.« Wissenschaftler sprächen gar von einer »erschöpften Arbeitswelt«. Und das nicht erst seit Veröffentlichung des Reports. »Eine Ergänzung des Arbeitsschutzgesetzes um eine Verordnung, die den aktuellen Stand der arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu psychischen Gefährdungen berücksichtigt, ist überfällig«, so Hoffmann.

Der DGB-Index Gute Arbeit ist ein Instrument, das die Arbeitsqualität am Urteil der Beschäftigten misst. Die Befragungen werden einmal im Jahr bei den bundesweiten Repräsentativumfragen durchgeführt. Der vollständigen Report ist hier als PDF verfügbar.