13. Januar 2020

Soft Skills – Drei Fragen an die Unternehmer Heiko und Diana Scheuerle

DIA­NA UND HEI­KO SCHEU­ER­LE VON DER MA­LERWERKSTÄTTE SCHEU­ER­LE GMBH IN HER­REN­BERG-GÜLT­STEIN. FOTO: PRI­VAT

Im Betrieb von Heiko und Diana Scheuerle sind elf ausgebildete Maler und Lackierer beschäftigt. Auftragsspitzen werden durch ein gut ausgebildetes Leiharbeiterpersonal abgedeckt. Was das Führungspaar von sich selbst und seinen Mitarbeitern erwartet. Mappe: Welche Ihrer eigenen Soft Skills sind für Ihre Aufgabe als Unternehmer am wichtigsten? Heiko Scheuerle: Wir denken, dass meine Frau und mich als Unternehmerpersönlichkeiten das Zusammenspiel von mehreren Soft Skills auszeichnen: Unser jeweiliges Charisma und unsere innere Einstellung bzw. Stärke, unsere gelebte Empathie und soziale Kompetenz im Umgang und Miteinander mit unseren Mitarbeitern und Kunden, unser besonders hohes Maß an Struktur und gemeinsamer Zielorientierung, unsere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, um sich immer wieder erneut und motiviert den Herausforderungen des Unternehmeralltags zu stellen! Ganz wichtig ist für uns die Resilienzfähigkeit. Das bedeutet, in Stresssituationen einen kühlen Kopf bewahren zu können, um dann souverän reagieren zu können. Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist unserer Meinung dabei enorm wichtig! Für uns besteht der Ausgleich zum Arbeitsalltag darin, Zeit mit der Familie zu verbringen, Sport zu treiben und Ruhe und Gelassenheit durch mentale Trainings oder Coachings zu finden. Wir sind aus Überzeugung Unternehmer und unternehmen gerne! Welche Soft Skills müssen Ihre Mitarbeiter unbedingt haben? Heiko Scheuerle: Zuerst einmal muss ich mich als Unternehmer fragen, welche Soft Skills in meinem Betrieb denn überhaupt wünschenswert sind, um Ziele erreichen und Werte transportieren zu können. Im besten Fall fühlen die Mitarbeiter den Spirit des Unternehmens und des Unternehmers und identifizieren sich damit. In einem persönlichen Bewerbungsgespräch lässt sich meines Erachtens schnell herausfinden, ob ein potenzieller Mitarbeiter zum Unternehmen passt oder eher weniger. Ich verlasse mich gerne auf meine Menschenkenntnis und auch auf mein Bauchgefühl. Natürlich sind ein höfliches, freundliches Auftreten, ein sauberes Erscheinungsbild, persönliches Engagement, Teamfähigkeit, Belastbarkeit und auch ein hohes Maß an Flexibilität wünschenswert, aber letztendlich überzeugt der Mensch im Gesamten, nicht stur einzeln nach seinen Soft Skills bewertet. Unsere Erfahrung hat außerdem aufgezeigt, dass sich Menschen weiterentwickeln und dazulernen können, auch bzw. gerade auch, was die Soft Skills betrifft. Wie beurteilen Sie die soziale Kompetenz junger Menschen heute? Diana Scheuerle: Junge Menschen wachsen heute in einer sich rasant verändernden Welt auf. Die Gesellschaft wandelt sich ständig. Wo finden die jungen Menschen heute noch Stabilität und Beständigkeit, die eigene Familie in der Regel ausgenommen? Werden ihnen noch Werte vermittelt und wenn ja welche und von wem? Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es, wie vermutlich in jeder Generation, junge Menschen gibt, die bereits eine relativ hohe Sozialkompetenz mitbringen, dass es aber auch viele junge Menschen gibt, denen es an Selbstvertrauen und einer guten Kommunikationsfähigkeit mangelt. Wir beobachten schon länger, dass die Informationsvermittlung über elektronische Medien leider oft auch ein Zurückdrängen zwischenmenschlicher Kommunikation mit sich bringt. Es gibt viele Gründe, warum wir dafür plädieren, dass die Eltern und auch die Schulen, als Bildungsträger, stärker ihrer Verantwortung nachkommen sollten, um die sozialen Kompetenzen der jungen Menschen zu stärken. Das könnte Sie auch interessieren: »Man sollte nie einen Bewerber nur nach dem Zeugnis beurteilen.« Ein Interview mit Unternehmensberater Klaus Steinseifer.  »Mehr als nur das Handwerk beherrschen« in Mappe 1/2020.