14. September 2017

Mit Blaulicht und Pinsel

EIN AUF­MERK­SAM­KEI­T­SGARANT – DIE UN­GEWÖHN­LI­CHE MAR­KE­TING­STRA­TE­GIE VON MA­LER­MEIS­T­ER LUTZ GU­SOW­SKI. FOTO: MA­LER-NRW

Man muss schon zweimal hinsehen, um das »Einsatzfahrzeug« von Lutz Gusowski als Malernutzfahrzeug zu erkennen. Der Lieferwagen des Handwerksmeisters ist nämlich detailgetreu wie ein Polizeiauto beklebt. Was hinter der cleveren Marketing-Strategie des Betriebs steckt.

Der Transporter von Malermeister Lutz Gusowski fährt vor: leuchtendes Blau, strahlendes Gelb und Silber. Eine Kombination, die bekannt vorkommt? Kein Wunder, denn von Weitem lässt sich das authentisch beklebte Malerfahrzeug kaum von einem echten Polizeiauto unterscheiden. Auffallen ist das Ziel des Malermeisters, und die Strategie geht auf. „Ich will mit dem Logo auffallen, denn es ist zusätzliche Werbung für den Betrieb“, sagt Gusowski. Aber nicht nur für seine Firma will der Handwerksmeister werben, sondern auch für das Handwerk im Allgemeinen. „Wir haben gerade bei jungen Menschen einen eher angestaubten Ruf. Aber viele Betriebe sind fortschrittlich, innovativ und modern – das will ich damit zeigen“, erklärt er.

Vom normalen Malerbetrieb zum Gesprächsthema der Stadt

Nur im Notfall lässt Malermeister Gusowski einen seiner acht Mitarbeiter ans Steuer des blauen Citroen Berlingo. In der Regel nutzt der Chef das auffällige Gefährt persönlich, vor allem zur Kundenakquise. Dass sich der Malerbetrieb in einer belebten Gegend der Stadt befindet, kommt der ungewöhnlichen Marketingstrategie dabei entgegen. »Gegenüber ist eine beliebte Bäckerei. Wenn die Leute da sitzen und ihren Kaffee trinken, schauen sie genau auf das Auto«, erzählt der 53-Jährige. Inzwischen erhält der Betrieb sogar Anrufe von Kunden, die explizit nach dem »Polizeiauto« fragen. »Seitdem wir das Auto haben, ist mein Betrieb hier ein echtes Gesprächsthema«, sagt Gusowski.

Strategie mit Erfolg – Die Auftragszahlen steigen

Die Motorhaube und die Seitentüren des blau-silbernen Autos sind in großen Buchstaben mit der Internetadresse beklebt. Diese ist bewusst kurz gewählt, denn so sei sie leichter zu merken. Viele der Kunden merkten gar an, dass sie ohne das auffällige Auto möglicherweise nie auf den Malerbetrieb aufmerksam geworden wären. »Kunden schauen heutzutage schon genau auf die Kosten. Wenn ich dann mit einem starken Auftritt punkten kann, schadet das nichts – im Gegenteil«, betont der Rheinländer.

Dass dieser Werbeansatz ankommt, spiegeln auch die Zugriffszahlen der Website, des 2009 gegründeten Betriebs, wider: »Wir können schon feststellen, dass die Zugriffe stark angestiegen sind», betont der Malermeister. Auch die Zahl der Anfragen über das Kontaktformular auf der Website habe sich erhöht,  insgesamt würden sich rund 70 Prozent der Anfragen in Aufträge verwandeln.

Darf man das denn eigentlich?

Beim ersten Kontakt mit dem neuen Wagen war die Reaktion der überraschten Kunden und Kollegen meist: »Darf man das?«. Natürlich hat sich der Malermeister vor seinem Vorhaben gründlich informiert: „Ich arbeite eng mit einer Rechtsanwaltskanzlei zusammen und habe das natürlich im Vorfeld geklärt“. In Zusammenarbeit mit einem Fachmann für Werbetechnik wurde der Entwurf ausgearbeitet. Der Blauton, der tatsächlich derselbe ist, mit dem auch Polizeiautos beklebt sind, ist rechtlich nicht geschützt. Lediglich der Schriftzug »Polizei« ist der Polizei selbst vorbehalten. Inspiriert wurde Lutz Gusowski von einem ähnlich beklebten Lieferwagen in Berlin. Sein Fazit nach vier Monaten ist durchweg positiv: »Wir fallen auf und das ist Werbung, die nichts extra kostet. Wenn ich dadurch noch neue Kunden generieren kann, umso besser.«