01. Juni 2017

Für Entlastung sorgen

OU­T­SOUR­CING KANN FÜR BE­TRIE­BE EIN ECHTER GE­WINN SEIN. DAZU MÜSSEN JE­DOCH ALLE FAK­TO­REN AB­GE­WO­GEN WER­DEN. Foto: Mappe

Im betrieblichen Alltag kann es durchaus Sinn machen, Routinearbeiten oder Tätigkeiten und Arbeitsprozesse, die andere effizienter und/oder kompetenter erledigen können, im Sinn von Outsourcing abzugeben oder auszulagern. Wir beleuchten den Trend und die Hintergründe.   Es war das Unwort des Jahres 1996: »Outsourcing«. Die Jury bewertete den Begriff als »Imponierwort, das der Auslagerung und somit die Vernichtung von Arbeitsplätzen einen seriösen Anstrich zu geben versucht. Denn in Deutschland wird mit dem Begriff Outsourcing oft die Auslagerung von Arbeitsplätzen in kostengünstigere (weil häufig nicht tarifgebundene) Tochtergesellschaften verstanden. Dabei umfasst Outsourcing weit mehr und beginnt im Kleinen, mit der Raumpflegerin oder dem Steuerberater. Seit dem Jahr 2000 nutzen Dienstleistungs- und Produktionsfirmen aller Branchen den Begriff des Outsourcings. Der Trend zum Outsourcing ist nahezu unabhängig von der Betriebsgröße: Mittlerweile lagern kleinere und mittlere Betriebe mit 100–500 Mitarbeitern bis zu einem Viertel der benötigten Leistungen aus – insbesondere ihre Personalverwaltung sowie das Finanz- und Rechnungswesen. Bei großen Unternehmen mit über 5.000 Beschäftigten arbeitet sogar fast jeder zweite Betrieb mit Serviceanbietern zusammen.

Distanz wird unbeliebt

Mittlerweile sind die klassischen Offshore-Länder wie Indien und China mit Werten unter 20 Prozent deutlich abgeschlagen. Einige Jahre wurde dann das Offshoring in die neuen EU-Mitgliedstaaten verlagert, doch seit 2008 stoppten kräftige Lohnanstiege in diesen Ländern viele Outsourcing-Projekte. Länder wie Rumänien (+21,2 Prozent), Bulgarien (+19,4 Prozent) oder Slowenien (+11,5 Prozent) bieten einfach keine Lohnkostenvorteile mehr, so das Institut für Trend- und Zukunftsforschung. So entsteht beim Thema Outscourcing eine Veränderung. Laut dem Trend-Report ist der Wandel die Konstante. Demnach rücken wieder andere Faktoren des Outsourcing wieder in den Mittelpunkt strategischer Überlegungen. Die Motivation für Outsourcing verlagert sich zunehmend von einer reinen Kostenorientierung zu einer Qualitäts-, Wachstums- und Innovationsorientierung. »Ein durchdachtes Sourcing-Modell erhöht die Flexibilität, reduziert die Komplexität und schafft Mitarbeitern neue Freiräume«, so der Trend-Report. Das könnte ein wichtiger Punkt sein in Zeiten des Fachkräftemangels, wenn Handwerksbetriebe Aufgaben, die keine besonderen Fertigkeiten und Kenntnisse erfordern, an Externe übergeben, sodass sich spezialisierte, gut ausgebildete Fachkräfte auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Wenn der Kunde selber schraubt – DAS BEISPIEL IKEA

Manche Unternehmen wie etwa IKEA verlagern Aufgaben gleich direkt an die Konsumenten. Dort sind die Kunden Teil des Outscourcing-Konzepts, denn sie liefern sich die gekaufte Ware nicht nur eigenhändig selbst nach Hause, sondern montieren diese dort meist aus vielen Einzelteilen – eine Arbeit, die sonst von den Herstellern erledigt werden müsste. Ohne Outsourcing würde die IKEA-Strategie nicht funktionieren: Das Unternehmen nutzt weltweit rund 2500 externe Produktionsformen und externe Logistik-Ketten.


In unserem Beitrag auf Seite 62–65 der aktuellen Mappe finden Sie noch mehr Wissenswertes zum Thema Outsourcing und wie Sie die Unternehmensstrategie unter Umständen auch in Ihren Betrieb integrieren können. Neben vielerlei Informationen erwartet Sie außerdem eine Checkliste mit den Vor- und Nachteilen der Arbeitsauslagerung, sowie ein Interview mit Robby Vasil, einem selbstständigen Interimsmanager und Unternehmensberater.